In Berlin wurde das Zitat vor allem in SPD-Kreisen weitergereicht: Dass der deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement während seiner USA-Reise beim deutsch-amerikanischen Unternehmergipfel von einer "beeindruckenden Militärdemonstration" der USA im Irak gesprochen habe, ging einigen Parteifreunden doch zu weit. Denn der SPD-Minister hatte sich wie auch Bundeskanzler Gerhard Schröder im Wahlkampf klar gegen eine US-Militäraktion im Irak ausgesprochen.

Clement, der als möglicher Nachfolger des Kanzlers gilt, wurde von Vizepräsident Dick Cheney empfangen. Fotografen oder gar Kamerateams ließ das Weiße Haus aber - anders als beim Treffen Cheneys mit Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) vergangene Woche - nicht zu. Vor seinem Treffen hatte Clement mit Schröder telefoniert, von diesem aber "keine Botschaft überbracht".

Das Gespräch war "offen und sympathisch", so Clement. Mit Cheney sei er sich einig gewesen, dass es trotz aller Differenzen über die Irakpolitik jetzt darum gehe, nach vorn zu blicken. Die deutsche Wirtschaft stehe bereit, ihren Beitrag zum Wiederaufbau des Irak zu leisten. Clement zeigte sich zum Abschluss seines Besuchs in Washington "ermutigt", dass nach dem Irak-Streit die deutsch-amerikanischen Beziehungen wieder verbessert werden können. Clement habe seinen Beitrag durch einen Kniefall geleistet, wurde in Berlin gelästert. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.5.2003)