Was man nicht gleich schreibt an schwarzen ORF-Strategiegedanken, vielleicht, weil man eine kleine Zwischenmüdigkeit über das schon Monate und noch Monate laufende Generals-Gestochere verspürt, das kann man womöglich so oder ähnlich abends bei Frau Kittner.

Gut, dann nehmen sich eben auch die Randerscheinungen dieser finsteren Gedanken an und referieren kurz einen Zwischenstand, der sich bis zum 9. August naturgemäß noch das eine oder andere Mal drehen kann.

Ganz bei Frau Kittner bin ich, dass die ÖVP nun doch zu einer ORF-Führungslösung mit der SPÖ (und damit Alexander Wrabetz) bereit ist. Ich darf, beim ORF wenig originell, ergänzen, dass es dabei vor allem um das Direktorenteam geht. Da gehen schon schwarze Gedanken von Thomas Prantner als Radio- und Onlinedirektor um. Die erscheinen mir, gelinde gesagt, gewagt mit einem roten Titelverteidiger Karl Amon, der Radiodirektor jedenfalls schon ist und Generalswunsch von Werner Faymann jedenfalls schon war. Auch über eine Kombination von kaufmännischer Direktion und Technik wird schon spekuliert, wohl unter Richard Grasl - aber ob die SPÖ für einen nicht so richtig sicheren ORF-Koalitionspartner ÖVP just die roten Technikbetriebsräte vergrault?

Dass die ÖVP die Idee eines ernsthaften Gegenkandidaten für Wrabetz aufgegeben hätte, seit Gerhard Zeiler abgewunken hat, würde ich nicht wetten. Ein solcher Kandidat, besser noch eine Kandidatin, erhöht immerhin zum Beispiel die Chancen, ein paar Direktoren herauszuverhandeln, damit der oder die Gegenkandidat(in) dann doch nicht antritt. Aber nicht nur. Bürgerliche erinnern derzeit gerne an die Sicherheit einer Monika Lindner über ihre Wiederwahl Wochen vor dem G-Day 2006 im Stiftungsrat - und ihrer Ablöse. Auch noch so schwarze Hoffnung stirbt zuletzt. (Und nein: Ich glaube nicht, dass Monika Lindner heuer noch einmal antritt.)

Erst aber muss die ÖVP die eigenen Reihen schließen, scheint es. Vor allem die Landeshauptleute Josef Pühringer und Günther Platter sollen den Eindruck erwecken, der eigene ORF-Wunschlandesdirektor (Helmut Krieghofer in Tirol, Kurt Rammerstorfer in Oberösterreich, wo die SPÖ mit Hans Bürger droht) läge ihnen weitaus näher als der Küniglberg. Ihre Stiftungsräte, im Falle Tirols praktischerwese eben dieser frühere ORF-Journalist und ÖVP-Landesparteigeschäftsführer Krieghofer, galten schon bisher als potenziell Abtrünnige oder Enthaltungen bei der Generalswahl.

Punktgenau ÖVP-Argumentation, warum Wrabetz die ÖVP brauchen soll: Für eine Gebührenerhöhung, nächste Gelegenheit 2012, braucht der nächste ORF-Chef mehr als die sicher scheinende Wahlmehrheit in Rot, Grün, Orange und Unabhängig. Die Betriebsräte dürfen da ja nicht mitstimmen. Und: Bei der Entscheidung über den künftigen ORF-Standort wäre die rote Fraktion gespalten, wo die Wiener den ORF nach St. Marx wünschen (wiewohl keineswegs in die Würscht), die Betriebsräte sich und ihr Haus aber weiter auf dem Künigberg (und im Funkhaus) sehen. Nur, andererseits: Welche Anträge von Alexander Wrabetz hat die bisher schon wenig freundliche ÖVP-Fraktion im Stiftungsrat ernsthaft blockiert?

Genug Stoff also bis zum 9. August und 15. September, wenn der Stiftungsrat die ORF-Direktoren und Landesdirektoren wählt. Bleiben Sie dran. Wenn Sie noch nicht eingenickt sind. Mich würde das nicht überraschen. (fid)