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Die Abwehr von Cyber-Angriffen auf Deutschland soll besser koordiniert werden. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich nahm am Donnerstag in Bonn das nationale Cyber-Abwehrzentrum offiziell in Betrieb, das die Arbeit mehrerer Bundesbehörden im Kampf gegen Angriffe aus dem Internet besser verzahnen soll. "Als Teil einer vernetzten Welt ist Deutschland auf (...) ein funktionierendes Internet angewiesen", betonte Friedrich. Die Computersysteme seien verwundbar. Die organisierte Kriminalität mache sich dies zunutze, aber auch Extremisten vernetzten sich zunehmen im Internet.

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

Das Cyber-Abwehrzentrum hatte bereits zum 1. April mit zehn Mitarbeitern die Arbeit aufgenommen. Die Federführung hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), beteiligt sind außerdem das Bundesamt für Verfassungsschutz und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Das Bundeskriminalamt, der Bundesnachrichtendienst und die Bundeswehr sind ebenfalls eingebunden. Das Zentrum solle "einen wichtigen Beitrag leisten, Schaden zu verhindern oder wenigstens zu minimieren", betonte Friedrich.

Die Einrichtung des Abwehrzentrums ist ein Eckpfeiler der im Februar von der Bundesregierung aus der Taufe gehobenen "Cyber-Sicherheitsstrategie". Die Bundesregierung sieht Sicherheit im Cyber-Raum als eine der existenziellen Fragen des 21. Jahrhunderts an.

1600 Angriffe

Das Innenministerium sah sich auch durch die sprunghaft steigenden Attacken auf deutsche Behördenrechner zum Handeln gezwungen. Von Januar bis September 2010 habe es 1600 Angriffe gegeben, die meisten davon aus der Volksrepublik China, hatte es beim Verfassungsschutz geheißen. Im selben Zeitraum 2009 seien es noch 900 gewesen.

Hacker-Angriffe auf Großunternehmen und Behörden häufen sich weltweit. Zuletzt berichtete etwa die US-Großbank Citigroup, Unbekannte hätten die Daten von über 360.000 Kreditkarten-Konten ausgespäht. Auch der Internationale Währungsfonds, der US-Rüstungsriese Lockheed Martin , der japanische Unterhaltungskonzern Sony Corp und der Internet-Gigant Google waren ins Visier von Hackern geraten. Hacker haben nach eigener Darstellung auch die Internetseite des US-Geheimdienstes CIA angegriffen. Die US-Regierung hatte angekündigt, notfalls auch mit militärischer Gewalt auf breit angelegte Hacker-Angriffe auf das Land reagieren zu wollen.

Sondereinheit

Auch auf europäischer Ebene wird der Kampf gegen die Cyber-Kriminalität verschärft. Die Innen- und Justizminister der 27 Mitgliedstaaten hatten am Freitag beschlossen, eine Sondereinheit zur Bekämpfung der Internet-Kriminalität einzurichten, die Europol zugeordnet werden könnte.

Dass das Internet immer stärker zum Tatort wird, zeigt auch die Kriminalstatistik 2010. Die Zahl der Straftaten im Netz ist danach im vergangenen Jahr auf einen neuen Rekordwert von knapp 225.000 gestiegen. Bei rund 80 Prozent der Fälle handele es sich um Betrug - doch die Fälle von Daten-Ausspähungen nahmen besonders stark um 32 Prozent zu. (Reuters)