Die serbische Anti-Korruptionsbehörde hat am heutigen Freitag Strafanzeigen gegen sieben Personen wegen "gesetzwidriger Privatisierung" des führenden Boulevardblattes "Vecernje novosti" erstattet. Ihnen werden Amtsmissbrauch, Betrug und Dokumentenfälschung angelastet, meldeten Medien unter Berufung auf eine Aussendung des Antikorruptionsrates.

Nach Angaben der Behörde werden diese sieben Personen, deren Namen nicht veröffentlicht wurden, verdächtigt, im Jahr 2002 die Aktien des Zeitungsverlags gesetzwidrig in das Handelsregister eingetragen zu haben und das Gesetz auch im Lauf ihrer Übernahme drei bzw. vier Jahre später verletzt zu haben. "Da es sich um ein gut erforschtes Phänomen der systemischen Korruption handelt und den Strafanzeigen auch alle relevanten Beweise beigelegt wurden, wird eine rasche Verfahrenseinleitung seitens der Staatsanwaltschaft erwartet", teilte die Anti-Korruptionsbehörde mit.

Der Antikorruptionsrat hatte Mitte Mai die Regierung informiert, dass der zweitreichste Serbe, Milan Beko, die Mehrheit an "Vecernje novosti" widerrechtlich erworben und dabei die deutsche WAZ-Gruppe, die am Erwerb des Blattes interessiert war, um Millionen geschädigt hatte. "Der Antikorruptionsrat stellt fest, dass die Privatisierung von 'Vecernje novosti' in einem ungesetzlichen Verfahren durchgeführt wurde, das ein klassisches Beispiel für die Organisierte Kriminalität und die Korruption darstellt", hieß es weiter. Der deutsche Medienkonzern beschloss im Vorjahr, sich nach den Erfahrungen mit "Vecernje novosti" ganz aus Serbien zurückzuziehen. (APA)