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Streitbar zu sein gehöre zum "Wesen eines vernünftigen Menschen", sagte Kurt Krenn einmal.
St. Pölten - Kurt Krenn, 13 Jahre lang Diözesanbischof von St. Pölten, wird am 28. Juni 75 Jahre alt. Seit seinem auf Wunsch des Papstes erfolgten Rücktritt im Herbst 2004 im Zusammenhang mit der Affäre um Kinderpornos und Homosexualität im Priesterseminar lebt er zurückgezogen in St. Pölten.
Der gesundheitliche Zustand des Altbischofs erlaube es nicht, den Geburtstag in einer Feier öffentlich zu begehen, teilte die Diözese am Freitag mit.
Küng: "Trägt geduldig seine Krankheit"
"Er trägt geduldig seine Krankheit, die nach und nach immer etwas weiter fortschreitet. Er ist jetzt nur mehr wenig mobil, besonders schwierig ist für ihn die Kommunikation. Gäste empfängt er nur mehr sehr wenige, freut sich aber, wenn man ihm etwas Positives erzählt, wie ich von meinen regelmäßigen Besuchen weiß", erzählte Diözesanbischof Klaus Küng in seinem Grußwort zum 75. Geburtstag des Vorgängers, das im St. Pöltner Diözesanblatt erschienen ist.
Er bittet dabei um das Gebet für Krenn, damit ihm Gott "in der lange dauernden Prüfung" beistehen möge.
Viele Kämpfe in den 90er Jahren
Die gesamte Amtszeit des "streitbaren Bischofs" war überschattet von heftigen Kontroversen um seine Person, seinen Stil und seine Aussagen. Krenn war im März 1987 von Papst Johannes Paul II. zum Wiener Weihbischof ernannt worden. Am 15. September 1991 übernahm er von Franz Zak die Leitung der Diözese St. Pölten, die er bis zur Emeritierung am 7. Oktober 2004 innehatte.
Für Krenn taten sich in der 13-jährigen Tätigkeit in St. Pölten mehrere Fronten auf. Auf massive Ablehnung war er etwa bei den Äbten der niederösterreichischen Stifte gestoßen. Eine schier unendliche Geschichte war auch die Auseinandersetzung mit dem Paudorfer Pfarrer Udo Fischer.
Die Affäre um Kinderpornos und Homosexualität im St. Pöltener Priesterseminar läutete das Ende Krenns als Oberhirte ein. De facto wurde er der Leitung der Diözese am 20. Juli 2004 mit der Einsetzung eines Apostolischen Visitators - Klaus Küng, letztlich sein Nachfolger - enthoben.
Unterstützung für Groer
Widerstand gegen und Konflikte mit Krenn waren aber weit über St. Pölten hinausgegangen. Auslöser dafür war in erster Linie der Fall des früheren Wiener Erzbischofs Kardinal Hans Hermann Groer, gegen den im Frühjahr 1995 Vorwürfe laut geworden waren, er habe in seiner früheren Tätigkeit als Erzieher Buben sexuell missbraucht.
Die nie wirklich aufgeklärten Anschuldigungen führten zur Absetzung Groers. Die Folge war die schwerste Krise der katholischen Kirche in Österreich nach 1945, auf das "Kirchenvolks-Begehren" reagierte die Amtskirche mit dem "Dialog für Österreich". Krenn lehnte beides ab, versagte aber Groer im Gegensatz zu seinen Amtsbrüdern niemals die Unterstützung.
"Maul halten"
1998 war die Kirchenkrise dann Thema bei einem Ad-limina-Besuch der österreichischen Bischöfe in Rom. Dort kam es zum offenen Konflikt: Krenn sagte - sehr zum Ärger des Wiener Erzbischofs Kardinal Christoph Schönborn als Vorsitzender der Bischofskonferenz - er kenne den Bericht der Bischöfe nicht. Schönborn widersprach, Krenns Reaktion war heftig: "Mir genügt's, wenn die Lügner das Maul halten."
Im Zuge der Affäre um das Priesterseminar wurde Schönborn dann im Juli 2004 deutlich und kritisierte auch den Vatikan: Die Bischofskonferenz und Nuntius Georg Zur hätten schon vor Monaten darauf hingewiesen, dass in St. Pölten etwas "nicht richtig" laufe. "Und es ist traurig, dass erst jetzt reagiert wird."
Papstbesuch als Höhepunkt
Krenn selbst hat die Kritik an ihm stets zurück gewiesen. Streitbar zu sein gehöre für ihn zum "Wesen eines vernünftigen Menschen", sagte er einmal. Als positiver Höhepunkt seiner Amtszeit gilt der Papstbesuch im Juni 1998. Johannes Paul II. zelebrierte damals einen Gottesdienst im St. Pöltner Regierungsviertel. (APA)