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Hat alle fünf Uno-Vetomächte hinter sich: Generalsekretär Ban Ki-moon.

Foto: Reuters/Marcelino

Der Mann an der Spitze der Vereinten Nationen machte sich ganz klein: In "demütiger" Weise bat Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon den Sicherheitsrat, seinen Namen für eine zweite Amtszeit in Erwägung zu ziehen. Gemeinsam habe man "viel getan", schmeichelte Ban den Wahlberechtigten.

Jetzt hat der frühere Außenminister aus Seoul sein großes Ziel fast erreicht: Der Sicherheitsrat wollte noch am Freitag den 67-jährigen für eine zweite fünfjährige Amtszeit ab 2012 vorschlagen. Diese "Empfehlung" ist die eigentliche Entscheidung. Danach wird ihn die Uno-Vollversammlung formell ernennen.

Experten wie Tim Wirth von der Stiftung der Vereinten Nationen, sind sicher: "Ban wird wiedergewählt, daran gibt es keinen Zweifel." Vor allem weil er die fünf Vetomächte in der Uno - USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich - auf seiner Seite hat.

Zwar gilt Ban als gewiefter Taktiker, notorisches Arbeitstier und als Mann mit "fester Meinung und starker Motivation", wie Yoon Young Kwan, ein früherer Außenminister Südkoreas, lobt. Doch fragen Skeptiker noch immer: Ist Ban der Richtige für die Position? Kritiker rufen: Er sei zu blass, zu bieder, zu unterwürfig. Das US-Magazin Foreign Policy lästerte sogar, Ban sei ein "Dilettant". Die Uno-Funktionärin Inga Britt-Ahlenius mäkelt, unter Bans Führung sei das Uno-Sekretariat in die "Irrelevanz" abgedriftet. Bans Leistungen seien "peinlich".

Tatsächlich: Noch immer fehlt Ban das große Thema. Zwar betonte er mehrmals, er wolle vorneweg gegen den Klimawandel kämpfen. Doch die Resultate sind bisher eher mager. Auch bei der Schaffung von Frieden und Sicherheit, sieht Bans Bilanz nicht beeindruckend aus. Neben den Revolten in der arabischen Welt muss sich die Uno mit mehr als 30 weiteren bewaffneten Konflikten herumschlagen.

Bisher schaffte Ban es nicht, einen der großen Brände zu löschen. Und Ban machte beim Thema Menschenrechte lange keine gute Figur. Immerhin prangert er nun die arabischen Despoten an, die ihr eigenes Volk terrorisieren. (Jan Dirk Herbermann aus Genf/DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2011)