Linz/Wien - Der typische Wirtschaftskriminelle ist in 87 Prozent der Fälle männlich, arbeitet zu 82 Prozent in einer führenden Position und ist zumeist im Finanzbereich oder Vertrieb tätig. In 76 Prozent der Delikte ist der Täter zwischen 36 und 55 Jahre. Knapp zwei Drittel sind bereits fünf Jahre im Unternehmen, wenn die Straftat aufgedeckt wird. Zu diesen Ergebnissen kommen die Wirtschaftsprüfer von KPMG nach Auswertung von 348 Fällen aus 69 Ländern, darunter Österreich.

"Budgetkürzungen, Leistungsdruck und oft lückenhafte Kontrollmechanismen verleiten insbesondere langjährige Mitarbeiter in Führungspositionen zu betrügerischen Handlungen", so KPMG-Geschäftsführer Gert Weidinger am Montag in einer Presseaussendung.

Die wenigsten Mitarbeiter kämen mit dem Vorsatz ins Unternehmen, einen Betrug zu begehen oder sich auf Kosten des Unternehmens zu bereichern. "Oft führen Veränderungen der persönlichen Lebensumstände oder zu hoch gesteckte Arbeitsziele und Leistungsdruck dazu, einen Betrug zu begehen", so Weidinger.

Delikte

Die häufigsten Delikte sind Veruntreuung von Vermögenswerten oder Beschaffungskriminalität (43 Prozent der untersuchten Fälle). Auch gefälschte oder geschönte Zahlen im Finanzreporting sowie die Ausstellung falscher Rechnungen, um sich persönliche finanzielle Vorteile zu verschaffen, zählen zu den Delikten. Die Annahme von Bestechungsgeldern für die Unterzeichnung von überhöhten Projektkosten ist ebenfalls eine beliebte Praktik, genauso wie geheime Absprachen zwischen Lieferanten, die zu überhöhten Preisen führen.

Die Praktiken sind oft simpel, werden aber gut verschleiert. International gab es in 61 Prozent der Fälle Mittäter, meist direkte Geschäftspartner wie Kunden, Lieferanten oder Berater. In Österreich wurde die Hälfte der Delikte mit Mittätern begangen, die andere Hälfte allein. Signifikant ist auch, dass sich in 74 Prozent der Fälle die Täter schwache Kontrollmechanismen der Unternehmen zunutze machten.

Kriminelle Handlungen zeichnen sich laut KPMG häufig im Vorfeld ab. 56 Prozent der kriminellen Handlungen gingen ein oder mehrere Alarmsignale voraus, nur 6 Prozent davon seien nachverfolgt worden. In Österreich wurden gar nur in 5 Prozent der Fälle die Alarmsignale nachverfolgt. Zur Aufdeckung der Fälle führen oft anonyme Hinweise aus dem Unternehmen oder von Geschäftspartnern.

Weidinger schlägt die Einrichtung einer Hotline oder eines E-Mail-Postfaches zum Deponieren von anonymen Hinweisen vor. Auch sollten die Fälle verstärkt intern kommuniziert werden, um so zusätzlich den Weg zur "Installation solider Kontrollmechanismen für eine Null-Toleranz-Kultur gegenüber ungesetzlichen Handlungen" zu ebnen. (APA)