Margarete Affenzeller

Wien - Das Theater des Richard Foreman funktioniert wie dessen bekanntlich überfüllter Kopf. Auf der Bühne seines Ontological-Hysterical Theater in New York errichtet er jeweils ein manisch vollgestopftes Gedankengebäude, in dem schaurige Alter Egos auf den Trümmern von Angst-und Liebeskämpfen eine Art Monster's Ball ausrichten.

Der US-Alt-Avantgardist Foreman bewahrt seiner Fangemeinde mit diesem überdeterminierten, über Strecken durchaus der Sinnhaftigkeit entbehrenden Er- und Überfüllungstheater seit mehr als dreißig Jahren ein abgezirkeltes Spielfeld.

In Panic! (How to be happy), mit dem er bei den Wiener Festwochen bis einschließlich kommenden Samstag zu Gast ist, werden in einem einer archaischen Mechanik folgenden Labyrinth auf einer Perserteppich-Persiflage Stehsätze therapeutischer oder allgemein lehrreicher Natur gesprochen, während vier pervers gekleidete Hauptfiguren den Theaterdienst verrichten: Von einer Horde Biedermeierpüppchen am oberen Bühnenrand bewacht, arbeiten sie als Wichtelmännchen der Psychoanalyse an den uns (nicht) beschäftigenden Problemen.

Sie schlagen einander mit Steinzeitkeulen, erdolchen den nächsten, kollidieren halberotisch, erheben das gefundene Fressen (Brötchen) zum phallischen und vaginalen Symbol. Im Angesicht eines wackelnden Pferdeschweifes masturbiert einer zu Foremans Tonbandworten "Here is a horse for eternal frustration". Da lachte man im Publikum erleichtert auf. Kapiert! Dazwischen klingelt wie in allen Foreman-Produktionen regelmäßig das Telefon.

Aber niemand hebt, wie immer, ab. Der Gehirn-Telefonist ist auf Dauerurlaub. Egal. Bei Foreman darf man eben nichts verstehen wollen. Man kann. Man müsste allerdings, wie Jonathan Kalb im Programmheft schreibt, schlichtweg Opfer derselben Leidenschaften sein, um daran auch noch Gefallen zu finden.