Bild nicht mehr verfügbar.

Androsch: "Von ungefähr kommt es nicht, wenn die streikunfreudigen Österreicher zu Zweihunderttausenden bei Sauwetter auf den Heldenplatz gehen. Das hätte sogar den Hitler gefreut"

Foto: APA/Jäger
Der Industrielle und rote Exfinanzminister Hannes Androsch, im letzten Wahlkampf als Berater von SP-Parteichef Alfred Gusenbauer unterwegs, hätte mit einer weitergehenden Annäherung zwischen Sozialdemokraten und Freiheitlichen kein Problem. Die SPÖ müsse rasch danach trachten, wieder in Regierungsverantwortung zu kommen. Ewig am "Harmonium der Opposition" zu üben, während andere auf der "großen Orgel" spielen, werde "fad". Androsch hält zwar angesichts der anstehenden Großreformen von Pensionen bis Staatsreform eine große Koalition nach wie vor für die beste Lösung, doch die "Ausgrenzung der FPÖ war ein Fehler". Androsch: "Ich war nie ein Haider-Bewunderer, habe aber auch keine Haider-Phobie."

"Hätte sogar den Hitler gefreut"

Die Frage, ob Schwarz-Blau über die Pensionsreform stolpere, liege nun ganz in Haiders Händen. Die Proteste des Gewerkschaftsbundes rund um die Pensionsdebatte sollten Kanzler Wolfgang Schüssel jedenfalls sehr zu denken geben. "Von ungefähr kommt es nicht, wenn die streikunfreudigen Österreicher zu Zweihunderttausenden bei Sauwetter auf den Heldenplatz gehen. Das hätte sogar den Hitler gefreut", sagte Androsch. Schüssel glaube in einem "selbstgefälligen Allmachts- oder Ohnmachtsgefühl, eher Letzteres", nicht einmal einen Minimalkonsens in der Pensionsfrage zu brauchen. Es sei "nicht mehr nachvollziehbar", dass die Regierung erst an den Verhandlungstisch gestreikt werden müsse. Damit werde einzig und allein der soziale Frieden in Österreich auf das Spiel gesetzt und die Stimmung in den Betrieben deutlich verschlechtert.

Keine Angst vor Neuwahlen

Zur Frage, wie schnell es zu Neuwahlen oder gar zu einer Koalition zwischen SPÖ und FPÖ kommen könnte, sagte Androsch lediglich, dies werde wahrscheinlich noch dauern. Solange sich etwas verbessere, seien Neuwahlen jedoch jederzeit sinnvoll. Auch der letzte Nationalratswahlgang sei insofern positiv zu beurteilen gewesen, obwohl er wieder zur gleichen Regierungskonstellation geführt habe, denn schließlich habe in der Zeit bis zur neuerlichen Angelobung von Schüssel & Co "nichts falsch" gemacht werden können. (miba/DER STANDARD, Printausgabe, 22.5.2003)