Wien/Paris - Auf zwei "Sicherheitsgurte" setzt Innenminister Ernst Strasser (VP) beim Kampf gegen den Heroinschmuggel aus Afghanistan. Beim internationalen Drogengipfel in Paris will sich Strasser für eine bessere Ausbildung der Exekutive in den zentralasiatischen Staaten stark machen. Im Cannabis-Bereich kritisiert der Minister die Schweiz für ihre Liberalisierungsabsichten.

Routen

Mehr als 84 Kilogramm Heroin oder Rohopium beschlagnahmte die heimische Exekutive im vergangenen Jahr - ein großer Teil stammte aus Afghanistan, wo 80 Prozent der weltweiten Opiumproduktion beheimatet sind. Auf zwei Strecken wird das Suchtgift nach Westeuropa gebracht: Über die Balkanroute via Iran-Türkei-Balkan und die Seidenstraßenroute über die zentralasiatischen ehemaligen Sowjetrepubliken.

"Sicherheitsgurte"

Die von Strasser bei einem Pressegespräch vor seiner Abreise nach Paris angesprochenen "Sicherheitsgurte" sollen in zwei Regionen angelegt werden. Einerseits in Österreich und den Nachbarstaaten, wo die Polizeikooperation weiter ausgebaut werden soll. Der zweite Gurt soll sich rund um Afghanistan spannen, um die Ausfuhr des Suchtmittels zu verhindern. Helfen soll dabei die von Europa finanzierte bessere Ausbildung der dortigen Grenzschützer, erste Projekte sind bereits im Laufen. Im Herbst will eine Ministeriumsdelegation unter anderem auch Iran und Georgien besuchen, um ähnliche Maßnahmen in Gang zu bringen.

Heroin gebunkert Die Aufgabe wird allerdings eine langfristige werden, zeigt sich Erich Zwettler vom Bundeskriminalamt realistisch. "Als das Talibanregime den Opiumanbau drastisch eingeschränkt hat, dauerte es sechs Monate, bis sich in Europa beim Heroinpreis etwas bewegt hat. Wir schätzen, dass das organisierte Verbrechen den Heroinbedarf für mindestens ein Jahr gebunkert hat", meint der Beamte.

In der Frage der so genannten weichen Drogen wie Cannabis und Ecstasy macht Innenminister Strasser neuerlich seinen strikten Standpunkt klar: "Wir verwahren uns gegen jede Bagatellisierung von Drogen." An der Schweiz, die über eine Legalisierung von Cannabis samt Besteuerung zur Finanzierung der Pensionskassen nachdenkt, übt Strasser Kritik. "Wir halten das Verhalten der Schweiz für einen Rückschritt", meint er zu den Liberalisierungstendenzen. (moe, DER STANDARD Printausgabe 22.5.2003)