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Das Erdbeben riss Löcher in die Häuserfassaden

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Angehörige suchen in den eingestürzten Häusern nach Überlebenden

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Specialisten aus Russland suchen noch Überlebenden in den Ruinen in Boumerdes.

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Algier - Nach dem schweren Erdbeben im Norden Algeriens ist in dem Katastrophengebiet die Angst vor Seuchen gewachsen. Der staatliche algerische Rundfunk berichtete am Samstag, mit dem Einsetzen der Hitzewelle und hunderten noch unter den Trümmern liegenden Leichen bestehe ein erhebliches Risiko, dass sich gefährliche Krankheiten ausbreiteten. Die Hoffnung, Vermisste noch lebend zu finden, ist mehr als 70 Stunden nach dem Beben gering. Die Hitze bedroht zusammen mit der oft unzureichenden medizinischen Versorgung, Wassermangel und mangelnden Ernährung auch die Überlebenden.

Frau und Baby lebend geborgen

In der am stärksten betroffenen Stadt Boumerdes, 50 Kilometer östlich der Hauptstadt Algier, bargen die Rettungskräfte wie durch ein Wunder eine Frau und ihr Baby wohlbehalten aus den Trümmern. Sie waren seit den schweren Erdstößen vom Mittwochabend eingeschlossen gewesen. Gleichwohl gab es kaum noch Hoffnung, noch viele weitere Überlebende bergen zu können. Bagger und Baukräne begannen damit, den Schutt der eingestürzten Häuser zu räumen, was die Überlebenschancen für womöglich noch eingeschlossene Menschen auf ein Minimum reduzierte.

1.875 Todesopfer

Das Innenministerium in Algier gab am Samstagnachmittag die Zahl der Todesopfer mit mindestens 1.875 an, die der Verletzten mit über 8.000. Die meisten von ihnen starben in der Region von Bourmerdes, mehr als 720 Menschen kamen demnach im Großraum Algier ums Leben. Allerdings werden noch weitere Opfer "Wir müssen realistisch sein, und ich male dabei nicht den Teufel an die Wand", sagte Regierungschef Ahmed Ouyahia im staatlichen Rundfunk: "Leider werden wir unter den Trümmern noch mehr Leute finden."

Wütende Proteste

Der algerische Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika musste seinen Besuch in der Stadt Boumerdes nach wenigen Minuten abbrechen, weil aufgebrachte Bewohner ihn beschimpften und mit Steinen bewarfen. Zehntausende Menschen warteten weiterhin auf Hilfslieferungen mit dringend benötigten Decken, Zelten, Medikamenten und Nahrungsmitteln. Sie sind über die schlechte Versorgungslage verzweifelt und klagen die Regierung an.

Auch die Medien klagen Schlamperei, Korruption und Fahrlässigkeit im Bauwesen an: "Vierzig Sekunden haben gereicht, um den Beton-Kapitalismus bloßzulegen", empörten sich algerische Zeitungen. Hunderte von Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn die Regierung die Lehren aus dem schweren Erdbeben von 1980 gezogen und die Einhaltung der Bauvorschriften kontrolliert hätte, schrieb "El Watan". (APA/dpa)