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Ryan Dunn.

Foto: Reuters/Jim Ruymen

Wenn einem besonders fad ist, könnte man ja mit nacktem Oberkörper über einen Teppich aus Mausefallen kriechen. Oder mit Freunden als Kühe verkleidet mit einem Tandemfahrrad einen Berg hinunterfahren. Man könnte sich den Hintern zusammenpiercen oder sich Golfbälle in den Schritt schlagen lassen. Wenn man wirklich gut drauf ist, könnte man auch noch eine Mahlzeit "komplett vorwärts - rückwärts - vorwärts essen" oder einen Drachen mit dem Anus (!) steigen lassen.

Das sind Dinge, die die Jungs von "Jackass" gemacht haben. Diese "Vollidioten" waren aber keine verirrten Youtube-Selbstdarsteller, denen keiner bei ihrer Selbstverstümmelung zusah. Sie waren verirrte Selbstdarsteller einer äußerst beliebten Serie des Jugendulk- und Klingeltonsenders (und ehemaligen Musiksenders) MTV. "Jackass" zog nicht nur ähnlich destruktive Nachfolgeformate (Viva la Bam, Homewrecker), sondern auch Videofilme und einen 3-D-Kinofilm nach sich. Die Ausschlachtung von Schadenfreude, das Blödsinn machen um des Blödsinns willen mit körperlichen Folgenschäden, wurde weltweit vermarktet. "Jackass" war ab 2001 auch auf MTV Germany zu sehen.

Ryan Dunn, einer der "Stars" der Selbstverstümmelungsserie, verwandelte jüngst seinen wohl durch viele Qualen erwirtschafteten Porsche in einen Feuerball. Er fuhr sich und einen Freund mit über 220 km/h und mit knapp zwei Promille Alkohol im Blut in den Tod. Dunn hatte zuvor noch ein Foto, wie er in einer Bar trank, getwittert. Er war 34.

Was kann man daraus schließen? Zu viel Furchtlosigkeit kann langfristig auch nach hinten losgehen. Und man soll nie die Ironie des Schicksals unterschätzen. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 24.6.2011)