Als Reaktion darauf, dass die Hamas den entführten israelischen Soldaten Gilad Shalit seit fünf Jahren in Isolierhaft hält, will Israel nun seinerseits Vergünstigungen für palästinensische Sicherheitshäftlinge streichen.

"Die außergewöhnlichen Bedingungen für die Terroristen in den israelischen Gefängnissen werden beendet werden", verkündete Premier Benjamin Netanjahu Donnerstag Abend in einer Rede, "es wird keine Master-Studenten des Mordes und Doktoranden in Terror mehr geben." Damit spielte Netanjahu darauf an, dass manchen Häftlingen ein Studium ermöglicht wird. Zuvor hatte das Rote Kreuz von der im Gazastreifen regierenden Palästinensergruppe einen Beweis dafür gefordert, dass Shalit noch lebt. "Die Familie Shalit hat nach internationalem humanitärem Recht Anspruch darauf, mit ihrem Sohn in Kontakt zu treten", hieß es in einem Statement.

Am heutigen Samstag ist es genau fünf Jahre her, dass ein palästinensisches Kommando auf der israelischen Seite des Grenzzauns ein Patrouillenfahrzeug angriff und den damals 19-jährigen Shalit in den Gazastreifen verschleppte. Nahe am Ort des Überfalls und vor dem Haus des Premierministers waren große Demonstrationen für die Freilassung Shalits geplant. 24 prominente Israelis wollten aus Solidarität je eine Stunde in einer "Kerkerzelle" verbringen. Die Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch, sind seit Monaten festgefahren. Israel scheint zwar prinzipiell bereit, in zwei Schüben insgesamt 1000 Palästinenser freizulassen, will aber Häftlinge, die wegen schwerer Terrormorde verurteilt wurden, nicht herausgeben. Nun sollen etwa die Kontakte von Häftlingen untereinander, Familienbesuche und der Gebrauch von Handys und Fernsehen auf das Minimum reduziert werden, das die Gesetze und internationale Normen vorschreiben.

Hilfsflotte sticht in See

Wenige Wochen nach dem Jahrestag der israelischen Kommandoaktion gegen die türkische "Mavi Marmara" sticht in den nächsten Tagen eine neue Gaza-Flotte mit 1500 Aktivisten in See. Mit dabei ist auch eine Delegation aus Österreich, die am Samstag von Schwechat startet. Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon und US-Außenministerin Hillary Clinton haben allen Regierungen zur Absage der internationalen Aktion geraten. Israelische Marinesoldaten wurden speziell dafür trainiert, die Schiffe zu stoppen. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 25.6.2011)