Wien - Dem ehemaligen Meinl-Gutachter Thomas Havranek ist vom Oberlandesgericht (OLG) Wien das volle Honorar von 600.897,70 Euro zugestanden worden - eine Beschwerde, die Meinl-Bank-Vorstand Peter Weinzierl dagegen eingelegt hatte, wurde abgewiesen, berichtet das Wochenmagazin "profil" in seiner neuen Ausgabe. In seinem Beschluss von 10. Juni führt das OLG laut dem Bericht unter anderem aus, dass die "entsprechende Qualifikation" des Gutachters sehr wohl vorgelegen sei und Havranek eine mögliche Befangenheit noch vor Auftragserteilung kundgetan habe - was Weinzierl bestritten hatte.

Das Magazin spricht von einer "Justizposse", da der Sachverständige Havranek zunächst im August 2008 von der Staatsanwaltschaft Wien mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt worden sei, im Juli 2009 aber dann vom Landesgericht für Strafsachen wegen "Befangenheit" wieder abberufen wurde - um nun ausgerechnet vom OLG Wien rehabilitiert zu werden. Havranek war vonseiten der Justiz für seine im Verfahren nicht mehr verwertbaren Erkenntnisse das Honorar von gut 600.000 Euro zugemessen worden.

Dem Steuerzahler würden daraus "nicht als Kosten" entstehen, da der Auftrag von Havranek - seine zehnköpfige Mannschaft habe insgesamt ein Jahr für eine letztlich nutzlose Expertise gearbeitet, so das "profil" - an den Grazer Sachverständigen Fritz Kleiner weitergereicht wurde. (APA)