Brasilien ist schon ein fantastisches Land: Sonne, Samba, Fußball, dazu die freundlichen Präsidenten und -innen, die Natur, die boomende Wirtschaft, die Lebensfreude ... Jetzt kommt noch die Fußball-WM 2014, gefolgt von den Olympischen Spielen 2016, die in Brasilien abgehalten werden - es sieht sehr danach aus, dass die Welt gar nicht anders können wird, als sich in Bewunderung für dieses moderne tropische Land zu ergehen.

Wenn da nicht die Art wäre, wie Brasilien mit dem Urwald - der Lunge des Planeten - umgeht. Das brasilianische Parlament hat eben ein Gesetz beschlossen, das den Schutz des Regenwalds weiter aushöhlt - ausgerechnet auf Initiative der kommunistischen Partei. Die Kleinbauern der Amazonas-Region sehen sich im Vergleich zu jenen in Nachbarländern durch den Umweltschutz in ihrer Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt. Sie wollen flussnahe Wälder roden dürfen, um dort Landwirtschaft zu betreiben.

Von hier aus gesehen wirkt es extrem kurzsichtig, die Zerstörung der Lebensgrundlagen der Erde für ein paar Wählerstimmen in Kauf zu nehmen.

Für die betroffenen Bauern aber ist gar nicht einzusehen, warum ausgerechnet sie den Preis für die Erhaltung des Regenwalds zahlen sollen, während unsereins nichts weiter tun muss, als sich ein bissl empört aufzuplustern und brav das Altpapier zu trennen, um sich als engagierter Umweltschützer fühlen zu dürfen. (corti, DER STANDARD-Printausgabe, 27.6.2011)