Bild nicht mehr verfügbar.

Bis zum Frühjahr 2012 ist die Rettung in Tirol noch unter 144 erreichbar.

Foto: APA/HERBERT P. OCZERET

Innsbruck - Noch nicht gänzlich fertig umstrukturiert, aber bereits mit neuen Autos tritt der "Rettungsdienst Tirol" ab 1. Juli seinen Dienst an. Laut Gesetz hätte das schon am 1. Jänner passieren sollen, dieser Termin musste aber verschoben werden. Auffälligste Änderung vorerst wird das neu beschriftete Auto sein: Die Notarztwägen sind künftig "internationalisiert", also mit "Ambulance" zum "Rettungsdienst Tirol" beschriftet.

Im Wagen sitzen Mitarbeiter jener Bietergemeinschaft, die die Ausschreibung des Landes zur Neuorganisation der bodengebundenen Rettung, also Notfallrettung und Krankentransporte, gewonnen hat: Notärzte und Sanitäter von Rotem Kreuz, Arbeitersamariterbund, Johanniter und Malteser. Vorerst rettet nur das Rote Kreuz, ab Oktober kommt der Samariterbund dazu. Erreichbar soll die neue Rettung mittelfristig auch nicht unter vier verschiedenen Nummern sein. 

Die Rettungseinsätze sollen zudem zentral, über die Landesleitstelle koordiniert werden. Bis das funktioniert, dauert es aber ebenfalls noch: Ab Oktober sollen erst einmal die verschiedenen Bezirksleitstellen und alle Organisationen der Bietergemeinschaft mit der Landesleitstelle zusammengeschlossen werden. Bis zum Frühjahr 2012 sollte dann die Neuorganisation abgeschlossen sein. Bis dahin sind die Telefonnummern 14 844 für Krankentransporte und 144 für die Rettung aber weiterhin gültig.

Seit zwei Jahren Kritik

Der zuständige Landesrat Bernhard Tilg (VP) verspricht auch ab Juli beretis "bestmögliche Qualität". Von der Ausschreibung bis zur Präsentation der neuen Rettungsautos sah sich Tilg über fast zwei Jahre von der Opposition kritisiert. Die Grünen befürchten eine "Verteuerung und Verschlechterung" des Notarztsystems. Durch das neue System kämen nicht nur Notärzte zum Einsatz, sondern auch Turnusärzte. Dadurch müssten "weniger gut für den Rettungseinsatz geeignete Mediziner ausrücken", fürchtet Gebi Mair.

Außerdem könnten einige Ortsstellen aus Kostengründen keine Rettungseinsätze, sondern nur noch Krankentransporte durchführen. Bei einem Unfall müsse dann ein Rettungswagen von einem anderen Stützpunkt kommen. Diese Abwertung werde zu "massiven Problemen" bei der Rekrutierung von Freiwilligen führen. "Um Taxi zu spielen, geht nämlich keiner freiwillig zur Rettung", sagt Mair.

Teurer als zuvor

Auch reiche das Geld nicht aus, um alle Ortsstellen zu erhalten. Um den Status quo zu sichern, müssten erst wieder die betroffenen Gemeinden zuzahlen. Damit käme das Rettungssystem insgesamt teurer als vorher. Nach langen Diskussionen war im Juni 2010 der Zuschlag an die inländische Bietergemeinschaft rund um das Rote Kreuz gegangen. Bereits 2009 hatte es Kritik an der Neuorganisation der Rettung gegeben. Tilg musste immer wieder sein Konzept eines Rettungsdienstes für weniger als 30 Millionen Euro verteidigen.

Bernhard Ernst von der "Liste Fritz" hatte etwa die "dilettantische" vierfache Ausschreibung beanstandet. Das Rettungswesen werde zwar "professionalisiert", die Ehrenamtlichkeit aber zurückgedrängt. Befürchtet worden war auch die Zerschlagung des einheimischen Rettungswesen. Denn neben dem Bieterkonsortium hatte sich auch der dänische Falck- und der bayrische MKT-Konzern beworben. (Verena Langegger, DER STANDARD-Printausgabe, 28.6.2011)