Wien - Bei heimischen Brauereien wurden Anfang dieser Woche Hausdurchsuchungen und Ermittlungen wegen Verdachts auf wettbewerbswidriges Verhalten durchgeführt, bestätigte heute, Dienstag, ein Sprecher der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB). Details wollte der Sprecher nicht nennen. Durchgeführt werden die Ermittlungen von der BWB in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei. Betroffen sind Ottakringer und Stiegl, wird aus Brauerei-Kreisen bestätigt. Vorwürfe der Preisabsprachen werden von der Branche zurückgewiesen.

Bei Ottakringer gab es gestern Hausdurchsuchungen, bei Stiegl finden derartige Ermittlungen heute statt.

Einige große und mittlere Brauereien sind wie berichtet seit einiger Zeit im Visier der Wettbewerbshüter. Hauptstoßrichtung ist laut Medienberichten die Nicht-Belieferung von Cash & Carry-Märkten mit Fassbier. Die Wettbewerbsbehörde vermutet demnach Preisabsprachen, der Fassbierpreis soll pro Liter um bis zu 70 Prozent höher sein als jener von Flaschenbier.

Branche weist Vorwürfe zurück

Angesichts der Ermittlungen der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) bei einigen großen und mittleren Bierbrauern wegen des Verdachts auf wettbewerbswidriges Verhalten weist der Verband der Brauereien Österreichs heute in einer Presseaussendung "den Vorwurf der Preisabsprache kategorisch zurück".

Verbands-Obmann und Ottakringer-Chef Sigi Menz weist demzufolge darauf hin, dass der Großteil der Brauereien Familienbetriebe seien. "Wenn es um unsere Ehre geht, werden wir bierernst. Wir setzen uns seit Jahrzehnten, teils seit Jahrhunderten für die Qualität und die Wertigkeit unserer Biere ein. Die Brauereien sehen sich verantwortlich für die Lebensmittelsicherheit und wollen die Qualität ihrer Produkte schützen. Sie stehen zu dieser Verantwortung. Wenn sie das strenge österreichische Lebensmittelrecht auf Punkt und Komma erfüllen, sind sie dafür nicht an den Pranger zu stellen."

Die Bundeswettbewerbsbehörde untersucht laut Medienberichten seit einigen Monaten österreichische Brauereien. Der Vorwurf demnach: Über ein Jahrzehnt lang sollen die absatzstärksten Mitglieder des Brauereiverbandes ausgemacht haben, die Abholmärkte der Lebensmittelgroßhändler gar nicht mit Fassbier zu beliefern oder zu so hohen Preisen, dass das Geschäft für sie uninteressant wurde. Die Großhändler hätten die Ermittlungen auch ins Rollen gebracht. Die Brauereien argumentierten die Nicht-Belieferung der Verbrauchergroßmärkte mit Qualitäts- und Hygienekriterien.

Kooperation

Der größte österreichische Erzeuger Brau Union, der laut "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN) als Kronzeuge zur Verfügung steht, hat gestern wie berichtet erklärt, man werde zur Aufklärung der Vorwürfe mit der Bundeswettbewerbsbehörde kooperieren, "aber auch mit allen Mitteln ungerechtfertigte Anschuldigungen - wie den Vorwurf von Preisabsprachen bei Fassbier - zurückweisen".

Die Nicht-Belieferung von Großverbrauchermärkten mit Fassbier gehe auf einen Beschluss des Brauereiverbandes im Jahr 1999 zurück. Hintergrund seien primär "Qualitätsbedenken" gewesen. Auch Ottakringer-Vorstandschef Sigi Menz weist den Vorwurf der Preisabsprachen massiv zurück. Man habe Interesse, das Bier mit größtmöglicher Qualität und Hygiene zum Konsumenten zu bringen.

Die Stiegl-Brauerei betont heute in einem Statement zunächst, "dass sie keine Kenntnis von Preisabsprachen irgendeiner Art hat und an solchen Absprachen weder beteiligt war noch ist". Auch die Salzburger Brauer betonen die Wichtigkeit von Qualität. Stiegl sei der Ansicht, dass ein Markenartikelhersteller selbst entscheiden soll, "wer seine Produkte vertreibt und welche Vertriebspartner diese hohen Qualitätsansprüche aufgrund ihrer Struktur auch gewährleisten können".

Im Visier der BWB sind laut "ÖON" vom Wochenende neben Brau Union, Stiegl-Brauerei und Ottakringer auch die Eggenberger Brauerei Vorchdorf, die Kärntner Hirter, die steirische Murauer, die Vorarlberger Fohrenburger Brauerei sowie Egger Bier St. Pölten. Der Großmarkt Pfeiffer werde mittlerweile in einem dreimonatigen Testlauf von der Brau Union mit Fassbier beliefert.

Keine Hausdurchsuchungen gab und gibt es bei der Brau Union, wie es aus dem Unternehmen hieß. Nicht betroffen sein dürften die kleineren Brauereien wie etwa die Hirter Brauerei. Es gebe keine Hausdurchsuchungen, sagte Hirter-Geschäftsführer Dietmar Kert. (APA)