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Wien - Die Eurostaaten, die nach eigenen Aussagen keinen "Plan B" für den Fall eines griechischen Staatsbankrotts haben, sind sich der Unlösbarkeit der griechischen Schuldensituation bewusst. Sie schnüren aber ein weiteres Hilfspaket, weil sie hoffen, für die angeschlagenen Euro-Länder Zeit erkaufen zu können, sagt Valentin Hofstätter, Anleihen-Experte der Raiffeisen Bank International (RBI).

Sollte das griechische Parlament das Sparpaket ablehnen, das die Voraussetzung für weitere Kredite ist, sei auch die Finanzierung von Portugal, Irland und Spanien gefährdet.

Einen Ausfall Griechenlands "würden die europäischen Banken überleben, natürlich mit Ausnahme der griechischen Banken selbst", sagte Hofstätter. Fatal wäre allerdings die zu erwartende Ansteckung der anderen überschuldeten Euro-Länder. Deren Zinsen würden wahrscheinlich massiv ansteigen. "Ein Default Griechenlands würde auch Spanien Probleme bereiten", auch Italien sei nicht außer obligo, wie der Kursrutsch bei den italienischen Banken in der vergangenen Woche zeigte.

Angst vor Kettenreaktion

Die Angst vor einer solchen Kettenreaktion sei der wahre Grund für "die Bereitschaft (der Politiker, Anm.), gutes Geld wahrscheinlich schlechtem Geld nachzuwerfen". Griechenland sei der erste Stein in der europäischen Domino-Kette. In Athen werde sich in den nächsten Tagen das Schicksal auch etlicher anderer Länder der Eurozone entscheiden, was angesichts der geringen Größe Griechenlands eine "bizarre Situation" sei.

Bei Raiffeisen glaubt man - in Übereinstimmung mit praktisch allen anderen Finanzmarkt-Akteuren -, dass der südosteuropäische Staat früher oder später sowieso umschulden muss; in Irland und Portugal sei die Ausgangssituation aber besser: "Europa muss Zeit gewinnen, damit die anderen Länder ihren Haushalt in den Griff bekommen." Die Chance dafür gebe es, "zumindest unter der Voraussetzung, dass Europa nicht in eine weitere Rezession schlittert".

Auch für Irland und Portugal sind die Zinsen (Sekundärmarktrenditen) in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Aktuell müss(t)en die beiden Länder für zweijährige Anleihen mehr als 14 Prozent Rendite zahlen (Griechenland: 28,6 Prozent). Seit Anfang Juni ist die Verzinsung für Irland und Portugal um mehrere hundert Basispunkte in die Höhe geschossen, auch jene von Spanien und Italien hat deutlich zugelegt. Sollte in Athen das Sparpaket verabschiedet und durchgesetzt werden, "glauben wir, dass auch die Spreads der anderen Länder zurückkommen", sagte Hofstätter.

Die aktuellen Zinsen auch für Irland und Portugal sind so hoch, dass die RBI nicht mehr erwartet, dass die beiden Länder zum vorgesehenen Zeitpunkt (Herbst 2012) auf den Kapitalmarkt zurückkehren können, "vielleicht ein oder zwei Jahre später". Daher müssten auch die Hilfspakete für Irland und Portugal wohl in den ab Mitte 2013 arbeitenden endgültigen Hilfsfonds ESM transferiert werden, glaubt man bei Raiffeisen. (APA)