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Tsonga spendet Federer zum Abschied Trost.

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Novak Djokovic verabschiedet den jüngsten Viertelfinalisten seit Boris Becker aus dem alterwürdigen All England Lawn Tennis and Croquet Club.

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Wimbledon/Wien - Die Leichtigkeit und Eleganz, mit der Roger Federer, der sechsmalige Champion, ins Viertelfinale gestürmt war, ließ den Schweizer in den vergangenen Tagen in die Favoritenrolle schlüpfen. Aus der Rolle fiel der 29-Jährige dann am Mittwoch. Dies, obwohl der Nummer drei auch der Auftakt gegen den als Nummer zwölf gesetzten Franzosen Jo-Wilfried Tsonga perfekt gelungen war. Federer führte nach 74 Minuten mit 2:0-Sätzen, eher der gewöhnlich tadellos schnurrende Motor ob der beherzten Gegenwehr seines 26-jährigen Kontrahenten bedenklich ins Stottern geriet.

Der erste Aufschlagverlust im dritten Satz änderte das Bild auf dem sonnigen Centre Court grundlegend, der zweite kostete auch Satz vier mit 4:6. Und angesichts des so hergestellten Gleichstands gab Federer gleich erneut den Aufschlag ab - ein Manko, das bis zum finalen Matchball, dem ersten von drei verfügbaren, nicht mehr wettzumachen war. Tsonga verwertete ihn nach genau drei Stunden und vier Minuten Spielzeit zum 3:6, 6:7 (3), 6:4, 6:4, 6:4. Und Federer begrub den Traum, schon in diesem Jahr mit den beiden Wimbledon-Rekordsiegern, dem Briten William Charles Renshaw (1881 bis 1886 sowie 1889) und dem US-Amerikaner Pete Sampras (1993 bis 1995 sowie 1997 bis 2000) gleichzuziehen.

Tsonga trifft im Halbfinale auf den als Nummer zwei gesetzten Serben Novak Djokovic, der Überraschungsmann Bernard Tomic nach 2:41 Stunden mit 6:2, 3:6, 6:3, 7:5 in die Schranken wies. Der erst 18-jährige australische Qualifikant war der jüngste Wimbledon-Viertelfinalist seit Boris Becker vor 25 Jahren.

Tsonga freute sich nach seinem Coup vor allem auf einen freien Tag. Das Halbfinale gegen Djokovic war ihm zunächst nur einen Satz wert: "Ich beginne wieder bei null, alles ist möglich." Genauso wie in seinem bisher wichtigsten Treffen mit Djokovic im Finale der Australian Open 2008. Damals unterlag der Spieler kongolesischer Abstammung mit 6:4, 4: 6, 3:6, 6:7 (2). Den zweiten Finaleinzug in Melbourne verwehrte ihm im Vorjahr Federer in drei Sätzen.

Wegen durchwachsener Ergebnisse in der Folge trennte sich Tsonga erst im April dieses Jahres nach sieben Jahren von seinem Trainer Eric Winogradsky. Einen Nachfolger hat der Mann aus Le Mans bisher nicht verpflichtet. Was bisher keine nachteiligen Auswirkungen hatte. (red, DER STANDARD Printausgabe 30.06.2011)