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"Das ist die schönste und befriedigendste Erklärung der Schöpfung, der ich je gelauscht habe", sagte Albert Einstein (zweiter von links) über Edwin Hubbles (ganz rechts) Beschreibung des Urknalls und des expandierenden Universums. Womöglich aber hat Hubble verhindert, dass Georges Lemaître, der eigentliche Entdecker, die Meriten dafür erhält.

Foto: REUTERS/The Carnegie Institution of Washington

London/Wien - Wenn heutzutage über Hubble berichtet wird, dann handelt es sich im Normalfall um das fast schon legendäre Weltraumteleskop der Nasa, das seit 1990 spektakuläre Bilder aus den Tiefen des Alls liefert. Doch diesmal ist es der Namensgeber, der berühmte US-Astronom Edwin Hubble (1889-1953), der in die Schlagzeilen geriet.

Berühmtheit erlangte Hubble durch das nach ihm benannte Gesetz und die Hubble-Konstante, welche die Expansion des Universums beschreiben: Je weiter Galaxien von uns entfernt sind, desto schneller bewegen sie sich - was wiederum darauf schließen lässt, dass es irgendwann einen Urknall gegeben haben muss.

Hubble veröffentlichte diese bahnbrechende Erkenntnis 1929. Bereits zwei Jahre zuvor war indes der belgische Priester und Kosmologen Georges Lemaître auf Basis der Allgemeinen Relativitätstheorie auf eine ganz ähnliche Idee gekommen. Als Lemaître sie 1927 bei einer Konferenz präsentierte, wurde er von Albert Einstein allerdings recht harsch kritisiert: "Ihre Berechnungen sind richtig, aber Ihre Physik ist scheußlich!"

Lemaître stürzte ob der Kritik Einsteins in Verzweiflung und beschloss, seine Ideen nicht mehr weiter zu verfolgen. Es sollte nicht lange dauern, bis Einstein seinen Irrtum einsah - gleichsam dazu gezwungen durch Hubbles neue Beobachtungen. 1933 meinte Albert Einstein dann: "Das ist die schönste und befriedigendste Erklärung der Schöpfung, der ich je gelauscht habe."

Diese Geschichte ist bekannt. Neu allerdings ist ein Detail, das Hubble in ein schlechtes Licht rückt: 1931 erschien eine englische Übersetzung von Lemaîtres Originalpublikation. Und aus der wurde, wie der kanadische Astronom Sidney van den Bergh in einem Text auf dem Server arXiv zeigt, just jene Stellen getilgt, die zum einen jene Korrelation diskutieren, die danach als Hubbles Gesetz bekannt wurde. Zum anderen wurde Lemaîtres Version der Hubble-Konstante weggelassen.

Offen bleibt, wer hinter der selektiven Zensur steht. Der Mathematiker und Hobbyhistoriker David Block behauptet jedenfalls in einem arXiv-Text vom 20. Juli, dass Hubble seine Hände mit im Spiel gehabt haben könnte - damit ihm allein die Ehre der Entdeckung zugesprochen wird. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 30. 6. 2011)