Linz - Ein neues, drittes Gutachten zum Tod einer Slowakin, deren Leiche Anfang 2008 im Fluss Ager bei Vöcklabruck gefunden worden war – derStandard.at berichtete –, sagt aus, dass die Frau zweifelsfrei ertrunken ist. Fremdeinwirkung könne mit der für das Strafverfahren erforderlichen Sicherheit nicht festgestellt werden. Deshalb habe die Staatsanwaltschaft Wels das Ermittlungsverfahren eingestellt. Das gab die Behörde am Donnerstag in einer Presseaussendung bekannt.

Den vorliegenden Gutachten könne "kein nachvollziehbarer, konkreter Hinweis auf das Vorliegen von Fremdverschulden entnommen werden", hieß es. Vielmehr sei im Verein mit den übrigen Ermittlungsergebnissen von einer Selbsttötung ohne Mitwirkung dritter Personen auszugehen. Universitätsprofessor Walter Rabl vom gerichtsmedizinischen Institut der Universität Innsbruck habe in seinem aktuellen Gutachten festgestellt, dass die 29-Jährige bald nach ihrem Verschwinden zweifelsfrei ertrunken sei.

Medikamente gegen Diabetes und Gicht

Eine in der Slowakei durchgeführte Obduktion hatte Hinweise auf Gewalteinwirkung ergeben. Im Körper der Toten wurden zwei Medikamente nachgewiesen: ein Mittel gegen Diabetes und eines gegen Gicht. Krankheiten, an denen die damals 29-Jährige nicht gelitten haben soll.

Von Fremdeinwirkung oder einer Beeinträchtigung durch medikamentöse Substanzen könne nicht mit der erforderlichen Sicherheit gesprochen werden, hieß es in der Aussendung der Staatsanwaltschaft. Die im Heimatland der Toten durchgeführten chemisch-toxikologischen Untersuchungen entsprächen nicht dem forensisch-toxikologischen Mindeststandard, der für verlässliche Interpretationen erforderlich wäre. Hinsichtlich einer allfälligen Gewalteinwirkung, die im slowakischen Obduktionsgutachten thematisiert worden sei, habe Rabl nur Indizien gesehen.

"Suizidale Absicht nicht plausibel"

Der von Zeugen beschriebene Verwirrtheitszustand der Frau könne viele Ursachen haben, neben einer toxischen Beeinflussung auch einen Unterkühlungsvorgang oder eine psychische Erkrankung. Aus forensischer Sicht sei nicht nachvollziehbar, dass eine Person zunächst in krimineller Intention mit - für diesen Zweck höchst ungewöhnlichen - medikamentösen Substanzen in ihrem Bewusstsein eingeschränkt werde, um diese dann in der Folge in einen Fluss werfen zu können, erläuterte die Staatsanwaltschaft.

Der Wiener Pharmakologe Michael Freissmuth hatte im Auftrag der Staatsanwaltschaft 2010 die in der Leiche festgestellten Konzentrationen eines blutzuckersenkenden Medikamentes (Wirkstoff: Glibornurid) und eines Mittels gegen Gicht (Wirkstoff: Sulfinpyrazon) analysiert. Sie könnten unmöglich ärztlich verordnet gewesen sein, aber auch die Einnahme aus suizidaler Absicht sei nicht plausibel, sagte der Pharmakologe damals. Die 29-Jährige hätte nicht leicht an die Wirkstoffe herankommen können. Beide Arzneimittel seien seit 2006 bzw. 2007 in Österreich nicht mehr auf dem Markt.

Vor ihrem Tod arbeitete die Slowakin bei einer Arztfamilie in Vöcklabruck als Pflegerin. Laut Zeugenaussagen war sie Tage vor ihrem Verschwinden "psychisch auffällig" gewesen. Der Journalist und Autor Martin Leidenfrost hat den Fall recherchiert und das Buch "Die Tote im Fluss" geschrieben. (APA)