Berlin - Schläge, Mobbing und sexueller Missbrauch: Gewalt gegen Kinder wird nach dem neuen Report des Kinderhilfswerks Unicef weiter weltweit verdrängt und unterschätzt. In Entwicklungs- und Schwellenländern erlebten drei von vier Kindern in ihrer Familie Strafen bis hin zu Peitschenhieben, hieß es im Report, der in Berlin vorgestellt wurde.

Gewalt gegen Kinder ist aber nicht nur ein Problem armer Staaten. In Deutschland schlagen nach Schätzungen des Kinderschutzbundes 13 Prozent der Eltern auch mal zu - obwohl das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung gesetzlich festgeschrieben ist. Unicef fordert deshalb unter anderem eine Ombudsstelle für Kinderrechte.

Vermehrtes Mobbing und Cyberbullying

Im Unicef-Report macht das Hilfswerk auch auf neue Gewaltrisiken aufmerksam: Die Aggressionen von Kindern und Jugendlichen untereinander. So habe Mobbing auf dem Schulhof, über Mobiltelefone und im Internet ("Cyberbullying") zugenommen. Kinder müssten in Schulen und Jugendgruppen darauf vorbereitet werden.

Weltweit erleiden zwischen 500 Millionen und 1,5 Milliarden Kinder jedes Jahr Gewalt, berichtete die UN-Sonderbeauftragte Marta Santos Pais. "Das ist ein dramatisches Niveau". In einigen Ländern würden Kinder mit acht bis zwölf Jahren verheiratet, zur Adoptionen verkauft, zur Arbeit in fremden Haushalten oder zur Prostitution gezwungen. In manchen Staaten könnten Kinder legal mit Stock- und Peitschenhieben bestraft werden. Auch Verurteilungen zur Steinigung oder Todesstrafe seien möglich.

Sexueller Missbrauch am wenigsten beachtet

Für eine kaum sichtbare und am wenigsten beachtete Form der Gewalt gegen Kinder zählt für Unicef sexueller Missbrauch. Die größte Gefahr gehe dabei von Menschen aus, zu denen Kinder Vertrauen haben: Verwandte, Nachbarn, Schulbedienstete und Betreuer. Auch in Europa wird nach Schätzungen des Europarates eines von fünf Kindern Opfer sexueller Gewalt. "Das kann man nicht akzeptieren", betonte Santos Pais. Nationale Präventionspläne und bessere Gesetze seien nötig. (APA)