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Der Markt für Biogetreide kommt nicht zur Ruhe.

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 Wien - Österreichs Landwirte bauen jährlich 200.000 Tonnen biologisches Getreide an. Der Markt ist einer der am härtesten umkämpften in der Biobranche. Falsche Deklarationen brachten ihn einst in die Mühlen der Justiz, überzogene Erzeugerpreise in wirtschaftliche Nöte. Und ein Ende der Turbulenzen ist nicht absehbar.

Gut ein Jahr ist es her, dass der Agentur für Biogetreide finanziell die Luft ausging. Mehr als eine Dekade lang hatte diese die Vermarktung dominiert, auf die gescheiterte Sanierung folgte heuer die Pleite. Jetzt gibt auch die an ihrer statt ins Leben gerufene Bio Qualitätsgetreide Gmbh, die BQG, auf. Der Betrieb wird zur Gänze aufgelöst.

Landesverbände der Bio Austria und die Handelsfirma Agricultura wollten mit ihm die ohne Abnehmer in der Luft hängenden Bauern auffangen. Er habe aber ihre Wut gegen die in Zahlungsengpässe geratene Agentur unterschätzt, sagt Engelbert Sperl, Chef der BQG: Im Nachhinein gesehen, hätte sie sofort in Konkurs geschickt gehört. Zu den Nachwehen durch die Zusammenarbeit mit ihr kamen Außenstände bei Kunden und Qualitätsprobleme. Zwei Raiffeisen-Lagerstellen wurden nach Verunreinigungen mit Halmverkürzern gesperrt, der Standard berichtete. In anderen fanden sich Schädlinge.

Verrotten

Gut 10.000 Tonnen sind auf Lager und drohen zu verrotten. Der Grüne Wolfgang Pirklhuber zieht dafür auch Raiffeisen zur Verantwortung. Es könne nicht sein, dass der Konzern diese Ware nicht ausliefere, weil er offene Rechnungen mit einem Partner der BQG habe.

Raiffeisen stieg heuer selbst in die Vermarktung von Biogetreide ein. Gemeinsam mit Crop Control und Pinczkger, die Rewes Biomarke Ja! Natürlich beliefern, stellt die Genossenschaft mittlerweile rund drei Viertel des Marktes. Ihre Lagerhäuser werben weiter intensiv um Neukunden, erzählen Bauern.

Diese brauchen für ihr Getreide zu 90 Prozent externe Lager - die zu zwei Drittel Raiffeisen gehören. Verträge mit der BQG hat der Konzern reihenweise gekündigt.

Sperl zählte zuletzt 900 Biobauern als Lieferanten, für die Ernte 2011 gab es nur noch 300 Kontrakte. Diese übernimmt nun der Handelsbetrieb Mauthner, Mutter des Saatgutzüchters Probstdorfer. Einen Vermarkter mit bäuerlichem Hintergrund gebe es für das Biogetreide nicht mehr, sagt Sperl.

Profiteur der Konflikte sei Raiffeisen, meint Pirklhuber. Er fordert höhere Markttransparenz, vielfältigere Vermarktungswege und Direktvertrieb der Bauern. Der nadelöhrgleiche Zugang zu Handelsketten sei das Dilemma: Wer rausfliege, sei verloren, "und rein geht's nur mit Ellbogentechnik". (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2011)