Was der gebürtige Grieche und Thomas-Cook-Austria-Chef Ioannis Afukatudis über seine Heimat denkt, erzählte er Günther Strobl.

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STANDARD: Welche Auswirkungen haben die Umwälzungen in der arabischen Welt und die Griechenlandkrise auf das Reiseverhalten der Österreicher?

Afukatudis: Die Reiseströme haben sich verändert. Wir haben bereits im Februar/März, also noch für das Wintergeschäft, zusätzliche Flugzeuge in Richtung Kanarische Inseln, Türkei und Zypern geordert. Parallel dazu haben wir Kapazitäten in Ägypten und Tunesien zurückgefahren. Die Reiseziele dort sind zwar sicher, die Gäste aber sperren sich.

STANDARD: Und jetzt im Sommer?

Afukatudis: Da haben wir uns bemüht, Gäste gezielt in die Türkei, nach Griechenland und Spanien umzulenken. Das ist uns auch gut gelungen. Ägypten, das in den vergangenen Jahren auch immer mehr zu einer Sommerdestination geworden ist, hat gelitten. Wir allein haben etwa ein Drittel der Kapazitäten herausgenommen, die wir im Vorjahr noch hatten. Insgesamt rechne ich mit einem guten Sommer.

STANDARD: Wo liegen die Schwierigkeiten beim Umschichten?

Afukatudis: Die Bettenkapazitäten zu bekommen, die man braucht. Alle Veranstalter stecken mehr oder weniger in derselben Situation. Wenn aber alle in denselben Zielgebieten zusätzliche Bettenkapazitäten haben wollen, kann es sehr schnell eng werden. Dann ist es wichtig, gute Partner zu haben.

STANDARD: Als gebürtigem Griechen muss Ihnen angesichts der Vorgänge in Ihrer Heimat ja das Herz bluten.

Afukatudis: Über das Stadium bin ich hinweg, das hat mich früher viel mehr getroffen. Inzwischen sage ich, es ist so, wie es ist. Basta.

STANDARD: Was spürt man nachfrageseitig?

Afukatudis: Erstaunlicherweise ist es so, dass sich Griechenland erholt.

STANDARD: Aber von einem tiefen Niveau?

Afukatudis: Von sehr tiefem Niveau, das ist richtig. Im Vorjahr hatten wir zweistellige Rückgänge bei den Griechenland-Buchungen. Aber auf diesem tieferen Niveau sehen wir jetzt ein gutes Wachstum. Die Hoteliers haben es nach der Watsche im Vorjahr endlich verstanden, gute Preise zu machen. Ich hoffe nur, dass es wegen des Sparpakets nicht zu lang anhaltenden Streiks kommt.

STANDARD: Werden Urlaube in den nächsten Jahren teurer?

Afukatudis: Unser Geschäft hängt vom Ölpreis ab, zumindest solange die Flugzeuge mit Kerosin aufgetankt werden. Auch im Hotel spielt Energie eine maßgebliche Rolle. Da sind wir von externen Faktoren abhängig. Nicht alles kann man hedgen. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2011)