Damaskus/Istanbul - Die syrische Oppositionsbewegung wird breiter - sowohl auf der Straße als auch auf politischer Ebene. 18 verbotene Parteien und zahlreiche unabhängige Regimegegner gründeten am Donnerstag einen "Nationalen Zusammenschluss der Kräfte des demokratischen Wandels". Diesem Zusammenschluss, der von dem prominenten Menschenrechtsanwalt Hassan Abdul Azim geleitet werden soll, gehören auch Oppositionelle aus dem Ausland und ein Vertreter der Handelskammer von Damaskus an.

Nach einer ersten Konferenz der Opposition in einem Damaszener Hotel am vergangenen Montag hatten zahlreiche Angehörige der jungen Protestbewegung, die Präsident Bashar al-Assad seit Mitte März herausfordert, erklärt, sie wollten keinen Dialog mit dem Regime. Derartige Konferenzen seien nutzlos, weil sie dem Assad-Regime ermöglichten, den falschen Eindruck zu erwecken, es habe demokratische Reformen eingeleitet.

Die "Alt-Oppositionellen" reagierten nun auf die Kritik der jungen Demonstranten und stellten acht Bedingungen für eine Teilnahme an dem "nationalen Dialog" auf, zu dem die Regierung für den 10. Juli eingeladen hatte. Unter anderem fordern sie von Assads Regime, dass dieses "den Volksaufstand anerkennt", friedliche Demonstrationen erlaubt, die Einsätze der Armee gegen Zivilisten stoppt und alle politischen Gefangenen freilässt. Dass die Regierung auf diese Forderungen eingehen wird, halten unabhängige Beobachter für unwahrscheinlich.

Dem neuen Oppositionsbündnis schlossen sich auch mehrere kurdische Parteien an. Abdul Azim lud auch die in Syrien verbotene Muslimbruderschaft ein, sich daran zu beteiligen. Zum Dialog-Angebot der Regierung sagte er: "Alles was bisher (vonseiten des Regimes) geschehen ist, diente nur dem Zweck, davon abzulenken, dass man versucht, die Probleme mit dem Sicherheitsapparat, mit dem Militär und mit Festnahmen zu lösen. Gegenüber den Staaten der Region und der Welt will man den Eindruck erwecken, man führe einen Dialog mit der Opposition."

Nach Angaben von Aktivisten kam es am Donnerstag in der Stadt Aleppo erstmals zu größeren Demonstrationen gegen das Regime. Die Sicherheitskräfte seien mit Gewalt gegen die Proteste vorgegangen und mehrere Menschen seien verletzt worden, sagte der Präsident der syrischen Menschenrechtsliga, Karim Abdel Rihaoui. Anhänger der Protestbewegungen stellten Videos von Kundgebungen ins Netz, deren Ursprung jedoch nicht überprüft werden konnte. Das im Nordwesten Syriens gelegene Aleppo ist die zweitgrößte Stadt und das wirtschaftliche Herz des Landes. Von den seit März andauernden Protesten war die Stadt bisher kaum betroffen.

Exil-Oppositionelle in der Türkei berichteten, in Dörfern der syrischen Provinz Idlib seien am Mittwoch 16 Menschen von den Sicherheitskräften getötet worden. Am Donnerstag seien zahlreiche Panzer in Richtung der Stadt Latakia und in der Provinz Idlib gesichtet worden. (APA)