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Mit Paletten wird gern getrickst, der Diebstahl floriert.

Foto: APA/dpa/Wittek

Wien - Sie sind die Holzbretter, die die Welt bewegen: Jeder in Handel und Industrie braucht sie, keiner aber will dafür zahlen. So wird auf Teufel komm raus gestohlen und getrickst. Ertappt dabei wird kaum einer, auf den Kosten sitzen bleibt das schwächste Glied der Kette.

Millionen neue Paletten schiebt die österreichische und deutsche Wirtschaft jährlich in die Märkte. Konsumenten nehmen sie nur selten wahr. Hinter den Kulissen jedoch herrscht um sie großer Zank. Eine Razzia vor fünf Jahren und die Krise sorgten für kurze Atempause, nun drohen neue Reibereien. Denn mit der Konjunkturerholung wächst der Warenumschlag und damit der Bedarf an Paletten.

Dunkle Kanäle

Bereits jetzt bewegen sich derer 20 bis 30 Prozent in dunklen Kanälen. Acht Millionen Stück sind in Österreich im Umlauf, rechnet Hagen Pleile, Geschäftsführer der Arge Paletten der Wirtschaftskammer, vor. Besitzer haben sie keine. Zu 90 Prozent werde Zug um Zug getauscht. Was Tür und Tor für ihren Missbrauch öffnet.

Da werden ungesicherte Bretter geklaut, Palettenscheine blind auf Ehrenwort quittiert, intakte Bretter als Schrott deklariert oder ramponierte anstelle der nagelneuen erhaltenen retourniert. Die Speditionsfahrer machten sich mitunter ein Körberlgeld und packelten mit Lagermitarbeitern. Zig Gebrauchthändler tummeln sich am Markt. Von diesen kaufen Logistiker wiederum eigene gestohlene Paletten zurück. Was aufgrund der explodierenden Holzpreise nicht abwegig erscheint: Sie verteuern Paletten derzeit auf bis zu elf Euro, erzählt einer ihrer Produzenten.

Millionenschäden

Drei, vier Euro ist das Diebsgut wert. Für die Justiz falle das unter die Wahrnehmungsgrenze, klagen Spediteure, die meist auf eigene Kosten nachrüsten. In Summe gehe es jedoch in Deutschland und Österreich um Millionenschäden.

7500 Stück haben täglich allein die ÖBB im Umlauf. 2,4 Millionen Euro sind dafür im Jahr reserviert. Die Tauschgebühr von 2,10 Euro fürs Stück decke nicht die Kosten, sagt ein Sprecher. Angesichts des florierenden Schwarzmarktes gehöre ihre Herkunft genauer dokumentiert und überwacht.

Eine fünfstellige Zahl an Paletten geht auch der Post jährlich verloren. Deutsche Speditionen sprechen von bis zu 25.000 Euro, die ihnen der Schwund im Jahr koste.

Tausch ist billger als Miete

Alternativen haben sich in Österreich bisher aber kaum durchgesetzt. Der Tausch sei trotz aller Probleme immer noch billiger als die Vermietung, meint Pleile, was Martin Gansterer bestätigt. Der Knackpunkt sei, so der Vizepräsident der Logistikvereinigung, dass sich die Spediteure nach wie vor die Kosten dafür aufladen ließen.

Der internationale Logistikriese Chep hat mit der Vermietung von Paletten bereits etliche Anläufe in Österreich hinter sich; Red Bull, Spar, Billa und DM zählen zu den ersten Kunden. Konzernpräsident Dolph Westerbos will es hierzulande nun zusätzlich mit den Modellen des Tauschens versuchen, wie er dem STANDARD sagt, er startete hierfür mit Vöslauer. "Wir sehen großes Wachstumspotenzial."

Kunststoffpaletten setzten sich trotz kurzfristigen Booms im Übrigen nicht durch, wissen Händler: An Holz führe kein Weg vorbei. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3.7.2011)