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Februar 2011: Tunesische Studenten singen Protestsongs.

Foto: Reuters/Larbi

Mein iPhone füllt sich mit neuen Songs. Ob Tunesien, Ägypten, Marokko oder jetzt auch Spanien, die Menschen gehen auf die Straße und jede Bewegung hat ihre Melodien und ich damit einen neuen Soundtrack für einen Lebensabschnitt.

In Tunesien sind es zwei Themen, die es mir angetan haben. Die eine habe ich hier bereits vor Monaten vorgestellt. Es ist der offene Brief des Rappers El General aus dem südlichen Sfax an Rayes Le Bled, den am 14. Januar gestürzten Präsidenten des Landes, Zine El Abidine Ben Ali. Die zweite Melodie ist die tunesische Nationalhymne. Sie wird auf allen Demonstrationen gesungen. Ihr Text, der von einem freien Volk spricht und von Ketten, die abgeschüttelt werden, scheint geradezu gemacht für die Revolution. Die schönste Version stammt von Kesang Mastrand, einer Liedermacherin aus Colorado in den USA. In Tunesien wurde ihre Arbeit mit Bildern der Tage im Januar versehen und auf Youtube eingestellt.

Auch aus Ägypten sind es zwei Lieder, die mich begeistern. Hany Adel mit seinem Sout Al Horeya (Klang der Freiheit) hat den Tagen auf dem Tahrir Square eine Melodie gegeben und der US-Amerikaner Ruffino Collin von NiveHive verarbeitete den Slogan "Das Volk will den Sturz des Regimes!", der sich von Tunesien über die ganze arabische Welt in Windeseile ausbreitete, zu elektronischer Musik. Sein Song diente mir für mein ganz persönliches tunesisches Tagebuch, das ich bereits hier auf Kif-Kif eingestellt habe.

In Spanien gibt es keine eigentliche Hymne der Bewegung 15M, sondern gleich ein ganzes Album zum freien Download. Jedoch hat sich keines der Lieder wirklich durchgesetzt. Die Proteste für eine "Echte Demokratie jetzt!" haben aber einen alten Ruf und damit eine alte Melodie zu neuen Ehren gebracht.

Es handelt sich um "El pueblo unido jamás será vencido" - "Das vereinte Volk wird nie besiegt werden". Es war einst die Parole der Volksfront in Chile. Die Gruppe Quilapayún hat die wohl beeindruckendste Aufnahme dieser Hymne aus den 1970ern eingespielt. Meine Fotos zur Bewegung der Empörten unterlegte ich mit einer Version des italienischen Jazzpianisten Giovanni Mirabassi.

Der neueste Song in meiner Sammlung stammt von der marokkanischen Gruppe Hoba Hoba Spirit. Sie haben mit "La volonté de vivre" der Bewegung 20. Februar in ihrem Land einen Soundtrack geschenkt. Der Refrain stammt übrigens aus der tunesischen Nationalhymne.

Viel Spass beim Hören.