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Fredrik Carl Wilhelm Kessiakoff aus Stockholm entsagte erst im Dezember 2008 dem Mountainbike, um sich professionell auf dem Straßenrennrad zu quälen. Am Montag mit Erfolg.

Foto: Reuters/Ebenbichler

Kitzbühel - Kurz vor dem Ziel pflegen sich Radprofis ihrer Pflichten abseits des Strampelns zu erinnern. Also nahm Fredrik Kessiakoff die Hände vom Lenker, schloss den Reißverschluss seines Trikots, um wenig später mit erhobenen Armen durchs Ziel am Kitzbüheler Horn zu radeln. Man tut das nicht mit nackter Brust.

Schließlich trägt der Profi Botschaften am Trikot, und die sollen naturgemäß für jeden klar ersichtlich sein. Der 21-jährige Schwede Kessiakoff war früher Weltklasse-Mountainbiker, WM-Dritter und Gewinner einiger Weltcups. Nun ist er fürs kasachische Astana-Team unterwegs, und gestern feierte er seinen ersten Etappen-Triumph als Profi auf der Straße. Mit 1:18 Minuten Vorsprung auf den Italiener Mauro Santambrogio (BMC). "Ich will das jetzt nur genießen", sagte er, nachdem ihm das gelbe Trikot des Gesamtführenden übergezogen worden war. "Mein Team ist stark. Aber ich weiß wirklich nicht, ob ich stark genug bin, die Führung auf den nächsten schwierigen Etappen zu verteidigen."

Das Ende der zweiten Etappe (158,3 km) von Innsbruck hinauf aufs Horn, vis-à-vis vom Hahnenkamm, wo man runterzufahren pflegt, hatte es in sich. Die furchtbarsten Stücke des schrecklichen, 7,1 km langen Schlussanstiegs weisen eine Steigung von 22 Prozent auf, durchschnittlich sind es 15 Prozent. Kessiakoff verabschiedete sich bald nach der Mautstation von seinen Kollegen und war nicht mehr zu erwischen. "Ich wollte aktiv sein, habe es probiert", kommentierte Thomas Rohregger, "aber am Schluss ist mir ein bisserl das Gas ausgegangen." Der Tiroler vom Leopard-Team vergaß nicht, sich bei den tausenden Fans zu bedanken. "Die haben mich raufgetragen." Zum fünften Platz, unmittelbar hinter Carlos Sastre aus Spanien, der 2008 die Tour de France gewonnen hatte. Rohregger, Rundfahrt-sieger 2008, behält aber den Streckenrekord am Horn. 2007 hatte 28:24 Minuten benötigt. Kessiakoff war 29:28 Minuten lang unterwegs.

Abgesehen davon gehört einmal klargestellt, dass die Etappe nicht ganz oben am Kitzbüheler Horn (1996 m) endet, sondern beim Alpenhaus (1670 m). Denn nur dort gibt es einen Parkplatz, auf den Radler und Begleitfahrzeuge nach der Zieldurchfahrt strömen können, und dort war es gestern schon eng genug.

Die vierte Etappe führt am Dienstag über 174,5 km von Kitzbühel nach Prägraten am Großvenediger. Dieses Teilstück hört übrigens auf den Namen "Felbertauernstraßenetappe" zu Ehren jenes mautpflichtigen Asphaltbandes, welches Salzburg mit Osttirol verbindet. Die Straße feiert heuer ihren 50. Geburtstag. Und die Radler der Rundfahrt dürfen, was den gemeinen Pedaleuren aus Sicherheitsgründen verwehrt ist. Nämlich den 5,3 km langen Tunnel benutzen. Normal gibts dort ein Shuttle. Für Gerät und Mensch.

Am Mittwoch wartet der Großglockner (3798 m) auf die Rundfahrer, und wie immer wartet er vergeblich. Auf der vierten, 199,3 km langen Etappe von Matrei nach St. Johann im Pongau wird natürlich trotzdem der Glocknerkönig gekrönt. Auf dem Hochtor (2504 m), dem Dach der Tour. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 5. Juli 2011)

Ergebnisse der Österreich-Radrundfahrt vom Montag - 2. Etappe, Innsbruck - Kitzbüheler Horn (158,3 km):

1. Fredrik Kessiakoff (SWE) Astana 3:50:11 Std. - 2. Mauro Santambrogio (ITA) BMC +1:14 Min. - 3. Leopold König (CZE) NetApp 1:19 - 4. Carlos Sastre (ESP) Geox 1:22 - 5. Thomas Rohregger (AUT) Leopard-Trek 1:38 - 6. Christopher Butler (USA) BMC 1:53 - 7. Moris Possini (ITA) Sky 2:01 - 8. Petr Ignatenko (RUS) 2:27 - 9. Alessandro Bisolti (ITA) Farnese Vini-Neri Sottoli 2:39 - 10. Oliver Zaugg (SUI) 2:40 - 11. Denis Mentschow (RUS) Geox 2:59. Weiter: 16. Stefan Kirchmair (AUT) Tyrol 3:46 - 21. Harald Totschnig (AUT) Tyrol 4:22 - 27. Martin Schöffmann (AUT) WSA Kärnten 5:54 - 32. Georg Preidler (AUT) Tyrol 6:46 - 37. Matthias Brändle (AUT) Geox 7:29 - 42. David Wöhrer (AUT) Tyrol 8:09 - 52. Patrick Konrad (AUT) Tyrol 9:12 - 54. Stefan Denifl (AUT) Leopard-Trek 9:21.

Gesamtwertung: 1. Kessiakoff 7:06:39 Std. - 2. Santambrogio +1:18 Min. - 3. König 1:25 - 4. Sastre 1:32 - 5. Rohregger 1:44 - 6. Butler 2:03 - 7. Possini 2:11 - 8. Ignatenko 2:37 - 9. Bisolti 2:49 - 10. Zaugg 2:50. Weiter: 16. Kirchmair 3:53 - 21. Totschnig 4:32 - 25. Schöffmann 6:00