Prag - Das Prager Nationalmuseum, das führende Museum in Tschechien, wird ab 8. Juli für fünf Jahre wegen einer umfangreichen Renovierung geschlossen. Mit einer Investition in Höhe von 4,5 Milliarden Kronen (über 180 Millionen Euro) will die Leitung des Museums die Ausstellungsflächen verdoppeln. Außerdem ist die Errichtung einer Aussichtsfläche aus der bisher nicht genutzten Kuppel sowie der Bau eines unterirdischen Tunnels geplant, der das historische Gebäude am oberen Teil des Wenzelsplatzes mit dem neueren Gebäude, das bis 1992 Sitz des tschechoslowakischen Parlaments war, verbinden soll.

Bereits seit einem Monat werden aus dem Museum Tausende Exponate in die Depots außerhalb Prags übersiedelt. Nur einige Gegenstände aus den naturwissenschaftlichen Sammlungen bleiben auch im Laufe der Umbauarbeiten in dem Gebäude, weil sie entweder zu groß, wie Skelette einiger Großtiere, oder in einem schlechten Zustand sind, der im Falle des Umzugs ein Risiko darstellen würde.

Das Gebäude im Stil der Neorenaissance wurde von Josef Schulz 1885 bis 1891 erbaut; seitdem wurde es nie gründlich renoviert, obwohl es mehrfach beschädigt wurde: So wurde es am Ende des Zweiten Weltkrieges von einer Bombe getroffen, bei der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 trafen Schüsse auf die Fassade, und schließlich führte der Bau der U-Bahn in 70er Jahren direkt unter dem Gebäude zu Setzungsrissen.  (APA)