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Roter Fraktionschef im Stiftungsrat: Niko Pelinka.

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Pelinka mit ORF-Chef Wrabetz.

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Wien - Wenn am 9. August ein neuer ORF-Generaldirektor und danach im September ein neues ORF-Direktorium gewählt wird, zieht im Hintergrund ein 24-jähriger schlaksiger Jüngling die politischen Fäden: ORF-Stiftungsrat und SPÖ-"Freundeskreis"-Leiter Niko Pelinka. Seit dem Vorjahr kümmert sich der "junge Pelinka", der im Hauptberuf in der Kommunikationsabteilung der staatlichen ÖBB arbeitet, "ganztägig um den ORF", wie es von Beginn an in Medienberichten hieß. Von SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas auf den Küniglberg entsandt, gilt Pelinka dort als Bundeskanzler Werner Faymanns smarter "ORF-Dompteur" und "Linksverbinder" zum amtierenden ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, dessen Wiederwahl Pelinka sicherstellen soll.

Wer Niko Pelinka das erste Mal gegenübersteht, muss die Begegnung üblicherweise erst einmal verarbeiten: Vor einem steht ein 24-Jähriger, der nicht nur jünger wirkt als sein biologisches Alter, sondern auch den Auftritt eines innenpolitischen Veterans pflegt. "Ich hab den Niko gekannt, als er elf war. Ein paar Jahre habe ich ihn wieder getroffen, da war er 45", beschrieb dieses Phänomen ein Bekannter der Familie im Nachrichtenmagazin "profil". Hämischer formulierte es die Wiener Stadtzeitung "Falter" in ihrem jährlichen "Best of Böse", in dem es Pelinka gleich im Jahr eins als ORF-Stiftungsrat unter die Top Ten schaffte: "Der 24-Jährige leitet die SPÖ-Fraktion im Stiftungsrat und ist der Doogie Howser der Sozialdemokratie. Einziger Unterschied: Doogie Howser war ein Genie." In der US-Fernsehserie, die einst auch im ORF zu sehen war, geht es um einen jungen Burschen, der als Wunderkind bereits mit 14 Jahren als Arzt praktiziert und gleichzeitig seine Pubertät durchlebt.

"Eher links"

Der nach Eigendefinition "eher links" beheimatete Pelinka entstammt bürgerlichem Josefstädter "SPÖ-Adel" und ist seit Geburt an standesgemäß vernetzt. Vater Peter ist seit der Jugend SPÖ-Mitglied, war lange Jahre Redakteur und zuletzt Chefredakteur der "'Arbeiter-Zeitung". Aktuell arbeitet er als Redaktionsleiter des Wochenmagazins "News", moderiert abwechselnd den ORF-Talk "Im Zentrum" und schreibt Kolumnen für die Gratiszeitung "Heute". Nikos Onkel - beide haben übrigens am 14. Oktober Geburtstag - ist der bekannte Politologe Anton Pelinka. Und so waren Medien und Politik von Kindesbeinen an ständige Themen im Leben des Niko Pelinka. Vater Peter ist dem heutigen ORF-General schon seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden, Wrabetz seinerseits kannte Klein-Niko, als dieser noch in den sprichwörtlichen Windeln lag. Später spielten die Söhne - auch Wrabetz hat einen Niko unter seinen Kindern - am Computer, während die Eltern über Politik und die Welt parlierten.

Pelinka gehört neben Raphael Sternfeld, seit kurzem außenpolitischer Berater des Kanzlers, Kanzler-Sprecher Nedeljko Bilalic und dem Wiener Gemeinderat Peko Baxant zum Young Boys-Netzwerk von SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas, alles selbstbewusste Aufsteiger in der aktuellen SPÖ-Hierarchie. Wenn unter der jungen Garde rund um Kanzler Faymann vom Parteichef die Rede ist, dann wird jovial-loyal vom "Werner" gesprochen.

"Change 06"

Die Nähe zur Macht hat sich Pelinka, der seinen Vornamen mit dem Renaissance-Philosophen Niccolo Macchiavelli teilt, konsequent schon in sehr jungen Jahren erarbeitet: Im Nationalratswahlkampf 2006 organisierte Pelinka mit Sternfeld die von der Josefstadt ausgehende Aktion "Change 06", die das Ende von Schwarz-Blau und den Wiedereinzug der SPÖ ins Kanzleramt zum Ziel hatte. "Du bist jung, innovativ, stylish und dennoch ein kritischer Mensch. Dann bist du bei uns genau richtig! Kleinmut und Provinzialismus sind uns fern. Wir wollen die Gesellschaft mit progressiven und avantgardistischen Ideen durchfluten", lautete damals die hippe Botschaft der jungen SPÖ-Politiker. "Salonfähiger Sozialismus mit schnöselig-adrettem Chic" nannte es "profil".

Als Pelinka im Vorjahr die Funktion des ORF-Stiftungsrats und SPÖ-"Freundeskreis"-Leiters vom langjährigen SPÖ-Vertreter Karl Krammer übernahm, war dies in der öffentlichen Wahrnehmung zwar nur eine Fußnote, politischen Beobachtern blieb jedoch der Mund offen: Ein erfahrener und gestandener Polit- und ORF-Kenner wurde von oberster SPÖ-Stelle - nämlich von Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas mit Rückendeckung des Kanzleramts - völlig überraschend abserviert und mit dem damals noch 23-Jährigen Pelinka ersetzt. Wie zufällig wurde zeitgleich bei der staatlichen ÖBB ein neuer Brotjob für Pelinka gefunden, der im Gegensatz zur Mitarbeit in einem politischen Kabinett mit seiner ORF-Stiftungsratsfunktion rechtlich kompatibel war.

"Public Affairs-Beauftragter"

Seither trägt Pelinka dort den klingenden Titel "Public Affairs-Beauftragter", ein Posten, der extra für ihn geschaffen wurde und der angeblich dazu dient, für den in diesen Belangen selbst nicht gerade ungeschickten ÖBB-Chef Christian Kern Kontakte zur Politik zu knüpfen. Die Beschreibung von Pelinkas Beschäftigung bei den ÖBB fällt folgerichtig auch eher kurz aus, denn zumindest an die Öffentlichkeit gelangten Details zu seiner Tätigkeit für die Bahn bisher nicht. Auch intern soll Pelinka "wenig auffallen", wie unter vorgehaltener Hand berichtet wird.

Umso mehr machte der Jung-Rote rund um den ORF durch besonderen Arbeitseifer von sich reden. Entschlossen arbeitete er in den vergangenen eineinhalb Jahren daran, den SPÖ-"Freundeskreis" zu orchestrieren und hinterließ dabei auch Spuren im Unternehmen: Sowohl die Bestellung von TV-Chefredakteur Karl Amon zum Hörfunkdirektor als auch die Bestellung von Fritz Dittlbacher zu dessen Nachfolger und die darauffolgende Abwahl von Infodirektor Elmar Oberhauser trugen Pelinkas Handschrift. So viel rote Dominanz rief naturgemäß auch Kritik nach sich. Nicht nur der Umstand, eine solide Mehrheitsfraktion zu verwalten, dürfte dem bestimmt auftretenden Pelinka jene Portion Selbstbewusstsein eingebracht haben, die ihm von Kritikern als Hybris ausgelegt wird. Wohlmeinendere Beobachter attestieren dem 24-Jährigen dagegen eine schnelle Auffassungsgabe, taktisches Geschick und ein Gefühl zu wissen, was er tut.

"Versorgungsjob"

Die klassischen Probleme von Gleichaltrigen hat Pelinka dagegen wohl kaum: Zumindest ein Sakko trägt Pelinka immer, zwei idente Blackberrys dienen dazu, ihn in ORF- und ÖBB-Fragen up to date zu halten. Der Grund der telefonischen Doppelung: Mit der abrechnungstechnischen Trennung von ÖBB- und ORF-Agenden nimmt es Pelinka besonders genau, seit die "Kronen Zeitung" im Zusammenhang mit Pelinka von einem "Versorgungsjob" und einer "Supergage" von rund 6.000 Euro berichtet hatte. Die Summe wurde von Pelinka übrigens dementiert.

Die Jugend Pelinkas ist wohl sein auffälligstes Merkmal, das auch unter Parteikollegen immer wieder Anlass zur Häme bietet. Als etwa bei einem der unzähligen Sommerempfänge der vergangenen Wochen Pelinka junior mit seinem Boss, ÖBB-Chef Chistian Kern, und Vater Peter Pelinka zusammenstanden, fragte ein "Parteifreund" in deutlich hörbarer Lautstärke danach, ob man hier am "Elternsprechtag" sei. "Vorurteile gibt es immer, besonders gegen Junge. Das bin ich gewohnt", steckte Pelinka solche Spitzen in der Vergangenheit professionell weg. Leute, die mit Pelinka direkt zu tun hatten, urteilen wohlwollender. "Er hat sein Geschäft gut verstanden und ist unheimlich geschickt mit einzelnen Journalisten umgegangen. Er schaut jung aus, ist aber sehr reif", meinte der frühere steirische VP-Klubobmann und Schulexperte Bernd Schilcher im Branchenmagazin "Der Österreichische Journalist".

Von Schmied "politisch geprägt"

Pelinka absolvierte das Gymnasium in der Wiener Albertgasse und arbeitete zwischendurch beim Online-Jugendmagazin "chilli.cc". Als Volontär beim "Standard" hinterließ er keinen nachhaltigen Eindruck. Er habe viel telefoniert und sich immer mit "Ciao Ciao" verabschiedet, erinnert man sich dort. Pelinka selbst "wollte lieber gestalten", wie er einmal meinte. An der Donau-Universität Krems machte er einen berufsbegleitenden Universitätslehrgang mit dem Titel "Politische Kommunikation", heuerte als parlamentarischer Mitarbeiter beim heutigen Finanz-Staatssekretär Andreas Schieder an, ehe er als Pressesprecher bei Unterrichts- und Kulturministerin Claudia Schmied anheuerte. Sie habe ihn "politisch geprägt", so Pelinka.

Spekulationen über seine Zukunft enden derzeit meist am Küniglberg, denn Faymanns smarter "ORF-Dompteur" wird immer auch für ORF-Posten gehandelt. ORF-Generaldirektor Wrabetz soll zuletzt einen Wechsel Pelinkas in den ORF gegenüber Gesprächspartnern nicht mehr ausgeschlossen haben. Denkbar ist ein Engagement als ORF-Generalsekretär oder - wegen des in diesem Fall erwartbaren Aufschrei der ORF-Journalisten - an führender Stelle im ORF-Kommunikationsbereich. Wie einst der enge Wrabetz-Vertraute Pius Strobl könnte Pelinka, mit dem sich Wrabetz schon jetzt bei wichtigen Fragen in täglichen Telefonaten abspricht, dann als Generalsekretär ohne Titel agieren.

Ambitionen in diese Richtung bestritt Pelinka bisher zwar heftig, in seinem Auftreten erinnerte er zuletzt aber mehr an einen operativen ORF-Mitarbeiter als ein Mitglied des Aufsichtsgremiums. Bei einer Abendveranstaltung wies Pelinka jüngst ganz in Pressesprechermanier einen heimischen Zeitungsverleger wegen eines kritischen ORF-Artikels in dem Blatt zurecht. Auch in die Gestaltung der Gästelisten des Polit-Talks "Im Zentrum" soll sich Pelinka intensiv einbringen, berichten ORF-Mitarbeiter. (APA)