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Bild: AC Milan feiert den Titelgewinn in der Serie A.

Foto: Reuters

Der Mailänder Fußballklub AC Milan erwägt den Börsengang. Das Gastspiel für den Initial Public Offering (IPO) will der Traditionsklub allerdings nicht am geprügelten Finanzplatz Mailand geben, sondern im fernen Hongkong.

Der Grund für den überraschenden Flirt mit den Finanzmärkten ist freilich ein fast banaler: die Strafzahlung von über 560 Millionen Euro, die von der Familienholding des Regierungschefs Silvio Berlusconi, Fininvest, gezahlt werden muss. Ein Berufungsgericht in Mailand hat Berlusconi-Fininvest dazu verurteilt, 560 Mio. Euro an den Erzfeind des Ministerpräsidenten, den Unternehmer Carlo De Benedetti, zu zahlen.

Ausschlaggebend für die Strafe ist die Korruption eines Richters, welcher das traditionelle Verlagshaus Mondadori der Fininvest-Gruppe zusprach und nicht dem anderen Bewerber, De Benedettis Familienholding CIR. Zwar will Berlusconi nicht klein beigeben und Berufung gegen das Urteil einlegen. Die Chance, dass Berlusconi in dritter Instanz gewinnt, sei aber gering, heißt es auch in Mailänder Richterkreisen.

Strafen

Fininvest benötigt liquide Mittel für die Strafzahlung. Die Holding kontrolliert neben dem Medienimperium von Berlusconi, Mediaset, seit 1986 auch den Fußballverein AC Milan. Der Nationalliga-Erste schreibt seit Jahren rote Zahlen. Im Geschäftsjahr 2010 lag der Verlust bei 69,9 Millionen Euro. Der Klub mit den rot-schwarz gestreiften Dressen benötigt auch massive Investitionen, um an der Spitze der Nationalliga bleiben zu können.

Hongkong werde als Börsenplatz vorgezogen, weil Milan eine der bekanntesten italienischen Labels in Asien sei. Vorerst wolle man jedoch den Börsengang des britischen Fußballvereins Manchester United (ManU) in der asiatischen Metropole abwarten, heißt es bei Milan. ManU will in den nächsten Wochen in Hongkong an die Börse gehen und erwartet einen Erlös von rund 1,7 Milliarden Euro.

Im Juni hat bereits das Mailänder Modehaus Prada mit viel Erfolg den Börsenstart in Hongkong gewagt. Gerüchte, wonach Berlusconi Anteile seines Fußballvereins abgeben wolle, gibt es seit Jahren. Als Interessenten wurden immer wieder Investoren aus Dubai und die russische Gasprom genannt. Letztere wurde als ernster Kandidat gehandelt, da Berlusconi ausgezeichnete Beziehungen zu Wladimir Putin und anderen russischen Milliardären nachgesagt werden. (tkb, DER STANDARD, Printausgabe, 13.7.2011)