"Brüder, reicht die Hand zum Bunde", sangen die Mitglieder der ostdeutschen Popband "Die Prinzen" und stimmten so die rund 2000 Gäste zur 140-Jahr-Feier der SPD am Freitag ein. Zum Feiern war angesichts der desaströsen Lage der Partei, die laut Umfragen in der Wählergunst auf 26 Prozent abgesackt ist, wohl nur wenigen zumute.

Parteichef Gerhard Schröder trug mit seiner Rede auch nicht gerade zur Stimmungsverbesserung bei. Er nutzte die Geburtstagsfeier, um die Einschnitte ins soziale Netz zu rechtfertigen und weitere "schmerzhafte Kompromisse" anzukündigen, ohne Details zu nennen. Die SPD habe meist dann Fehler gemacht, wenn sie zu zögerlich oder zu feige gewesen sei, Dinge umzusetzen, die als richtig erkannt worden seien, sagte Schröder. Die SPD "wäre über ihre lange Geschichte auch nicht besonders erfolgreich gewesen, wenn sie sich bloß als Hüterin der reinen Lehre verstanden hätte".

Gleich zweimal wandte er sich direkt an die Gewerkschaften, die heute, Samstag, mit einem Aktionstag gegen Schröders Agenda 2010 protestieren wollen: "Denkt bitte nach, ob der Weg der Nachjustierung der sozialen Sicherungssysteme nicht doch der richtige Weg ist", appellierte er an die "lieben Kollegen".

Dann wurde Schröder deutlicher und verwies auf Großbritannien, wo die Gewerkschaften durch Maggie Thatcher und auch Schröders Parteifreund Tony Blair - der am Vorabend wie SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer bei der SPD-Feier in Berlin war - geschwächt wurden: Dort sei "mit dem Irrglauben aufgeräumt" worden, "mehr Gerechtigkeit hieße, Steuern zu erhöhen und mehr Geld zu verteilen, das man vorher nicht verdient hat".

Dies war eine Drohung an die deutschen Gewerkschaften, die Steuererhöhungen und Konjunkturprogramme fordern. Der Chef des Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, verwies dann darauf, dass die SPD als Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein gegründet worden war.

Seine Vorgänger als SPD-Chefs erwähnte Schröder nicht einmal: Rudolf Scharping und Oskar Lafontaine. Beide kamen nicht, Lafontaine war gar nicht eingeladen. (DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.5.2003)