Rechtzeitig zum Hitzestau steuerte Dienstag der Arte-Schwerpunkt Summer of Girls einem ersten Höhepunkt zu. Von drei legendären Musen erzählte die Doku Groupies und lieferte eine kompakte rockhistorische Übersicht auf das Feeling der 1960-er aus Fanperspektive.

Jene kann man getrost als fanatisch bezeichnen. Groupie Cynthia Caster-Blaster etwa machte sich einen Namen mit ihrer Sammlung von Gipspenissen: Um an die vergötterten Pophelden heranzukommen, nahm Cynthia Maß. Es klappte, Jimi Hendrix war ihr erster. Nicht nur die Pophelden mischten die überkommenen gesellschaftlichen Strukturen auf, die Groupies halfen tüchtig mit.

Alle drei kämpften sich durch spießige Hürden und erlebten den Umbruch ins neue Bewusstsein der Sixties als Akt der Selbstbestimmung. So wurde eine Imagepolitur vorgenommen, die die Mädels verdient haben: Die Rolle der Bewundererin war schließlich selbst gewählt, in die Betten mit den Stars hüpften sie, um sich gewissermaßen zu adeln. Gleichzeitig stimmten sie ins laute Pfeifkonzert auf Konventionen ein.

Die Funktion der Groupies ging über die bloße Bettgenossenschaft hinaus: Die Damen zeigten den Musikern die Stadt, führten sie in die angesagtesten Clubs und kochten für sie. Die Musikanten waren wie Matrosen, sie fuhren in die nächste Stadt und linderten ihr Heimweh mit einer anderen Braut.

Heute bekommt Cynthia oft Mails von jungen Mädchen: "Ich will ein Groupie werden, aber meine Mutter lässt mich nicht." Cynthia gibt lieber keine Tipps. Aber eines weiß sie seit den 1960-ern: "Sex ist zum Spaß da - und zur Fortpflanzung." Zu verstehen in dieser Reihenfolge. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 14.7.2011)