Wien - Am 1. September wird die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ihre Arbeit aufnehmen - allerdings mit um rund einem Drittel weniger Staatsanwälten als geplant. Für heuer sieht der Personalausstattungsplan 21 Staatsanwälte vor, bisher haben sich 15 gefunden.

Um an das erforderliche juristische Fachpersonal zu kommen, hat die Oberstaatsanwaltschaft Wien, wie berichtet, auch zu unorthodoxen Mitteln gegriffen und per Inseraten im Pool der Anwaltskammern gefischt. Ins Netz gegangen sind so sieben Juristen, insgesamt haben zwölf Rechtsanwälte die Seiten gewechselt. Die Personalsuche geht aber weiter: Im Endausbau soll die neue Behörde an die 40 Staatsanwälte beschäftigen.

Dass das Vorhaben, die WKStA auch in Graz, Linz und Innsbruck anzusiedeln, kurz vor Gesetzeswerdung gekippt wurde, hat zur Personalenge durchaus beigetragen. Staatsanwälte aus den Bundesländern sind kaum nach Wien zu locken. Abgesehen davon sorgt die Konzentration in Wien auch für fachliche Kritik: Das Handling der Ermittlungen (für die der Staatsanwalt seit der Strafprozessreform federführend zuständig ist) in Causen, die in den Bundesländern spielen, dürfte sich einigermaßen aufwändig gestalten.

Eines wird die neue Behörde jedenfalls auslösen: ein Umzugskarussell. Die WKStA soll in den Büros des Arbeits- und Sozialgerichts Wien in der Wickenburggasse (gleich ums Eck vom Straflandesgericht Wien) untergebracht werden. Das Arbeitsgericht kommt in die Vordere Zollamtsstraße 7 - aber erst Ende 2012. Bis dahin sitzen dort nämlich der Unabhängige Finanzsenat und Abteilungen des Finanzministeriums. Danach wandern die in die Vordere Zollamtsstraße 2, ins derzeitige Ausweichquartier des Finanzministeriums, das ins renovierte Palais an der Himmelpforte heimkehren soll. Bis Mitte 2013 wird die WKStA also in einem Ersatzquartier in der Dampfschiffstraße am Donaukanal logieren.

Krakow wieder Staatsanwalt

Staatsanwälte fehlen übrigens im gesamten Sprengel der Oberstaatsanwaltschaft Wien. 180 Ankläger gibt es derzeit, ungefähr 20 fehlen aber. Ein "karenzierter" Oberstaatsanwalt wird Ende Juli in den Dienst zurück kommen: Ex-Bawag-Ankläger Georg Krakow, der Ex-Kabinettchef von Ex-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner.

Gerüchte sagen, Krakow werde die Justiz nun verlassen. Er selbst sagt, er gehe nur bis Herbst in Urlaub. (gra, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 15.7.2011)