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Ai Weiwei auf einem Archivbild mit seiner Aktion "Sunflower Seeds" in London.

Foto: Lennart Preiss/AP/dapd

Peking - In seiner mehr als zweimonatigen Haftzeit war der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei rund um die Uhr unter Beobachtung. Zwei Polizisten teilten ständig den Raum mit ihm und beobachteten ihn sogar unter der Dusche oder auf der Toilette, wie seine Schwester Gao Ge am Freitag in Peking berichtete. "Für den Fall, dass er Selbstmord begehen sollte, mussten sie 24 Stunden am Tag über ihn wachen, während immer das Licht brannte." Alle drei Stunden hätten die Wachleute gewechselt.

Der 54-Jährige habe seiner Familie erzählt, dass er in dem Raum auf einem Streifen von knapp sechs Meter ständig auf- und abgegangen sei, um sich zu bewegen und die Langeweile zu vertreiben. Die zwei Wachbeamten hätten zugeschaut. Er habe keinen Zugang zu Fernsehen, Radio, Zeitungen oder Büchern gehabt. Auch habe es kein Papier oder Stifte gegeben. Ein Bett sei das einzige Möbelstück gewesen. "Es gab kein natürliches Licht", berichtete Gao. "Jemand brachte Essen dreimal am Tag - sonst hätte er die Tageszeit nicht gewusst."

Ai Weiwei ist ein Sohn des berühmten chinesischen Poeten und Malers Ai Qing (1910-96), welchen die Kommunisten von 1958 bis 1978 mit Publikationsverbot belegt und in Umerziehungslager gesteckt hatten. Seine Freunde sehen in ihm ein Opfer politischer Hexenjagd. Die chinesischen Behörden haben ihm vorgeworfen, in großem Stil Steuern hinterzogen zu haben.

Am 22. Juni war der Künstler unter internationalem Druck auf Kaution freigelassen worden. Die Steuerbehörde fordert jetzt Steuern und Bußgelder in Höhe von umgerechnet 1,3 Millionen Euro von ihm. Wo Ai Weiwei festgehalten wurde, ist bisher unklar. Doch scheint es kein reguläres Gefängnis gewesen zu sein.

Nach seiner Freilassung erschien der 54-Jährige deutlich schlanker als vorher. Die Gewichtsabnahme wurde auch auf die viele Bewegung in Haft zurückgeführt. "Ai Weiwei sagte uns, dass er in den 80 Tagen vermutlich eine Entfernung wie von Peking nach Shanghai zurückgelegt habe", sagte Gao. Die zwei Wachen in seinem Raum hätten nicht mit ihm reden dürfen. "Sie beobachteten ihn jede Sekunde, ohne auch nur einmal die Augen zu schließen", sagte sie. Das Zimmer habe eine eigene Toilette und Dusche gehabt. Der Künstler selbst darf als Bedingung für seine Freilassung nicht mit Journalisten sprechen. Seine Schwester rechnet damit, dass er letztendlich über seine Haftzeit schreiben werde. (APA)