Wien - Ein Häftling der Justizanstalt Wien-Josefstadt ist Ende Juni irrtümlich entlassen worden. Der Mann gab sich als sein Zellenmitbewohner aus, der kurz vor der Entlassung stand, und ging frei. Kurz nachdem der Mann untergetaucht war, meldete sich der Mitinsasse, der später ebenfalls enthaftet werden musste. Ein entsprechender Bericht der "Kronen Zeitung" (Dienstagsausgabe) wurde von der Sprecherin der Vollzugsdirektion, Cornelia Leitner, bestätigt. Den für den Irrtum verantwortlichen Justizbeamten drohen nun Konsequenzen.

"Wir untersuchen das intern", sagte Leitner. Es geht um eine mögliche Dienstpflichtsverletzung. Davon betroffen seien mehrere Beamte. "Das ist ein Kettenbefugnis", so die Sprecherin. Als Konsequenz aus dem peinlichen Irrtum kündigte die Vollzugsdirektion an, künftig Fingerabdrücke zu nehmen.

Der Vorfall hat sich bereits am 30. Juni ereignet. Der fälschlich entlassene Mann soll sofort untergetaucht sein, wie es in dem Zeitungsbericht heißt. "Es schaut danach aus, dass es ein abgekartetes Spiel zwischen den Insassen war", sagte Leitner. "Wir haben pro Jahr 7.000 Entlassungen und Zugänge. So etwas sollte natürlich nicht passieren." Von dem 31-jährigen Mann fehlt jede Spur.

Mutmaßlicher Serien-Einbrecher hätte am Dienstag Prozess gehabt 

Der Flüchtige nahm die Papiere eines um zwölf Jahre älteren Zellengenossen an sich, der auf freien Fuß gesetzt werden sollte, und spazierte an dessen Stelle aus dem Gefängnis. Die Justiz hat keine Spur des Mannes,, der sich am Dienstag gemeinsam mit seiner Ehefrau und zwei mutmaßlichen Komplizen wegen Bildung einer kriminellen Organisation vor Gericht zu verantworten gehabt hätte.

Auch sein Anwalt Philipp Winkler hat keine Ahnung, wo sich der Mann derzeit befindet. "Ich habe von seiner Mutter von der Flucht erfahren. Sie hat mir vor drei Wochen gesagt, dass er freigekommen ist", erklärte Winkler. Dass es sich dabei um keine rechtmäßige Enthaftung gehandelt hatte, habe sich erst im Verlauf des Gesprächs herausgestellt. "Ich habe dann über die Mutter versucht, Kontakt aufzunehmen. Ich habe darauf hingewiesen, dass er sich freiwillig stellen soll, weil er ansonsten viel mehr Strafe bekommt, wenn er erwischt wird", schilderte der Anwalt.

Komplizen verurteilt

Nikola B. soll mit zwei Mittätern zwischen Dezember 2010 und Februar 2011 im Raum Wien sowie im Raum Innsbruck 32 Wohnungseinbrüche verübt haben, wobei sich die Bande auf Einfamilien- und Reihenhäuser konzentriert hatte. Die Beute soll insgesamt 97.000 Euro ausgemacht haben. Die Ehefrau des 31-Jährigen soll bei den Coups Aufpasser- und Chauffeurdienste geleistet haben.

Die Komplizen des flüchtigen Nikola B. sind am Dienstag im Wiener Straflandesgericht wegen gewerbsmäßigen schweren Einbruchsdiebstahls zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Ein 39-jähriger, mehrfach vorbestrafter Serbe erhielt viereinhalb Jahre, ein bisher nicht einschlägig vorbelasteter 35 Jahre alter Mann drei Jahre unbedingt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig. (APA)