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Die Urananreicherungsanlage in der Nähe der Stadt Ghom (Qom) auf einem Satellitenbild aus dem Jahr 2009.

Foto: REUTERS/DigitalGlobe/Handout

Teheran/Wien - Die iranischen Revolutionsgarden wollen eine US-Spionagedrohne über der Atomanlage Fordo nahe der Stadt Ghom abgeschossen haben: Allerdings kommt die Information bisher nur von einer Internetseite, die einen iranischen Parlamentarier zitiert. Die relativ kleine Urananreicherungsanlage Fordo - die gerade wegen ihrer überschaubaren Dimensionierung unter Verdacht steht, für höhere Anreicherung und damit für militärische Zwecke angelegt zu sein - ist teilweise in den Berg gebaut, gerade um sie aus der Luft zu schützen.

Die neue Generation iranischer Zentrifugen, die derzeit getestet wird, dürfte sich allerdings in Natanz, dem Zentrum der iranischen Urananreicherung, befinden. Ein Außenministeriumssprecher bestätigte, dass Teheran die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien vom "Fortschritt" der "friedlichen nuklearen Aktivitäten" Irans notifiziert habe. Die neuen Zentrifugen seien schneller und besser. Frankreich nannte den iranischen Schritt eine "klare Provokation".

Teheran veröffentlichte keine technischen Details, es handelt sich jedoch wohl um zwei Kaskaden zu je 164 Gaszentrifugen des Typs IR-2m und IR-4, deren Installation zu Testzwecken jetzt offenbar abgeschlossen ist. Noch hat Teheran in seinem Programm die alte P-1 und die verbesserte P-2 in Betrieb, die auf den vom pakistanischen Atomwissenschafter A.Q. Khan gestohlenen und später verscherbelten Plänen der Firma Urenco basiert. Sie ist ineffizient und störungsanfällig, und die Produktion lief in den vergangenen Jahren teilweise unter den technischen Erwartungen - dazu gab es im Vorjahr auch die Cyberattacke mit dem Stuxnet-Wurm, die einen größeren Schaden anrichtete.

Bei der IR-2m und der IR-4 handelt es sich um eigene iranische Weiterentwicklungen der P-2. Insbesondere die Fabrikation der IR-4 würde einen technischen Durchbruch darstellen, war doch Iran bis vor kurzem nicht in der Lage, eine für die Verbindung von Rotoren nötiges Ausgleichselement aus Karbonfaser selbst zu produzieren.

Irans Atomprogramm wird also einen Schub erhalten - und damit die Gefahr, dass Teheran jederzeit die schon erreichte nukleare Break-out-Fähigkeit auch für militärische Zwecke nützen könnte. (Gudrun Harrer, STANDARD-Printausgabe, 21.7.2011)