Zufälle können grausam sein. Serbien hat soeben den letzten flüchtigen Angeklagten des UN-Kriegsverbrechertribunals festgenommen und erhält für seine Kooperation viel Lob aus der EU. Österreich hat einen vom EU-Land Litauen wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gesuchten Russen nach kurzer Zeit wieder freigelassen und sich damit geballter Kritik der baltischen Staaten ausgesetzt.

Auch wenn die Fälle nur bedingt vergleichbar sind, drängen sich Fragen auf. Serbiens Exekutive und Justiz arbeiten trotz starken innenpolitischen Gegenwinds mit dem Haager Tribunal zusammen. Die österreichische Justiz begründet ihr Vorgehen streng formaljuridisch. Das erklärt freilich nicht die große Eile im Fall Golowatow. Dieser hätte nach den Regeln des Europäischen Haftbefehls 48 Stunden lang festgehalten werden können. Es waren nur 22.

Warum so hastig? Der bosnische Exgeneral Jovan Divjak, gegen den ein serbischer Haftbefehl vorliegt, wird nun schon viereinhalb Monate in Österreich festgehalten. Auch im Fall des kroatischen Expremiers Ivo Sanader ließ sich die heimische Justiz Zeit - offenbar notwendige Zeit.

Was Litauen verständlicherweise besonders schmerzt: Mit dem Argument, der Tatverdacht gegen Golowatow sei nicht hinreichend begründet worden, wird dem Land unausgesprochen mangelnde Rechtsstaatlichkeit unterstellt. Vertrauen unter EU-Partnern sieht tatsächlich anders aus. (Josef Kirchengast, STANDARD-Printausgabe, 21.7.2011)