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Goran Hadzic bei seiner Festnahme am Mittwoch.

Foto: EPA/Serbian Government

Belgrad/Zagreb - Dem mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrecher Goran Hadzic, der am Mittwoch nach jahrelanger Flucht verhaftet worden war, ist Geldmangel zum Verhängnis geworden. Das berichteten Zeitungen am Donnerstag in Belgrad unter Berufung auf die Ermittlungsbehörden. Er habe sich in einem Wald bei dem Dorf Krusedol nordwestlich von Belgrad mit einem Helfershelfer getroffen, der ihm Geld aushändigen wollte. Dabei hätten ihn Agenten des Geheimdienstes festgesetzt.

Zudem sei ihm zum Verhängnis geworden, dass er ein Ölbild des italienischen Malers Amedeo Modigliani verkaufen wollte, dessen Wert auf bis zu 15 Millionen Euro geschätzt werde. Dieses Gemälde habe der 52-Jährige 1991 in Frankreich mit Geld gekauft, dass er durch den groß angelegten Schmuggel von Treibstoff und Heizöl erworben habe.

Drei-Tages-Frist

Auch der Hadzic-Anwalt Toma Fila bestätigte mehreren Zeitungen, dass seinem Mandanten am Ende seiner siebenjährigen Flucht das Geld ausgegangen sei. Die meiste Zeit habe der frühere Führer der serbischen Minderheit in Kroatien während des Bürgerkrieges (1991-1995) in Russland verbracht, berichteten Medien.

Hadzic ist vom UN-Kriegsverbrechertribunal schwerer Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt.

Hadzic hatte bei seiner Festnahme sein Äußeres so verändert, dass er fast nicht mehr wiederzuerkennen war. Seinen dichten dunklen Vollbart, sein jahrelanges Markenzeichen, hatte er abgenommen. Er sei mit einer Pistole bewaffnet gewesen, die er jedoch nicht einsetzte, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Nach Recherchen der heimischen Zeitungen hatte sich Hadzic auf frühere Geheimdienstmitarbeiter als Helfershelfer gestützt. Daneben sollen ihm Geistliche der Serbisch-Orthodoxen Kirche geholfen haben. In Krusedol, wo Hadzic verhaftet wurde, liegt ein historisches Kloster, das in den letzten Jahren aufwendig restauriert worden war.

Hadzic verzichtete auf Einspruch gegen Gerichtsentscheidung

Hadzic hat auf den Einspruch gegen die Gerichtsentscheidung über seine Auslieferung an das UNO-Tribunal verzichtet. Wie der Belgrader Sender B-92 am Donnerstag berichtete, habe Hadzic dies heute auch schriftlich bestätigt. Dadurch kann die Überstellung jederzeit beginnen.

Nach Aussagen seines Anwalts Toma Fila wird Hadzic am morgigen Freitag ans Haager UNO-Tribunal überstellt. Die Überstellung des früheren politischen Chefs der kroatischen Serben werde nach einem Treffen mit der Familie durchgeführt, sagte Fila am Donnerstag gegenüber Belgrader Medien. Laut der staatlichen Presseagentur Tanjug ist der Besuch der Familienangehörigen beim Haager Angeklagten für 8.00 Uhr geplant.

Kroatische Regierung wünscht Auslieferung Hadzics nach Kroatien

Kroatien wünscht eine Auslieferung Goran Hadzics. Die kroatische Ministerpräsidentin Jadranka Kosor hält die Auslieferung des früheren Chefs der kroatischen Serben nach Kroatien nach eigenen Angaben für logisch, weil er schon zweimal in Abwesenheit von kroatischen Gerichten verurteilt worden sei und eine Anklage im drittem Fall schon erreicht sei. Dies sagte sie am Mittwochabend nach der Sitzung des Kabinetts, wie kroatische Tageszeitungen am Donnerstag berichteten.

"Indem wir zwei rechtskräftige Urteile haben, wäre es logisch, die Auslieferung nach Kroatien zu fordern, aber es ist eine Tatsache, dass er nach Den Haag ausgeliefert werden soll, und wir werden in Konsultationen mit dem Haager Tribunal (UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien, ICTY, Anm.) und den zuständigen Institutionen in Kroatien sehen, was realistisch ist", so Kosor nach der Kabinettssitzung.

Die Ministerpräsidentin kündigte an, dass die kroatische Regierung bei der Sitzung am Donnerstag eine Entscheidung darüber treffen wird, die alle zuständigen Institutionen auffordern soll, die Tatsache der beiden rechtskräftigen Urteilen gegen Hadzic zu beachten. Kosor kündigte Gespräche mit der Staatsanwaltschaft und dem Justizministerium an.

Kirche weist Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in Fall Hadzic zurück

Die serbisch-orthodoxe Kirche hat am Donnerstag Angaben der Belgrader Sonderstaatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen über Kontakte des festgenommenen Haager Angeklagten Goran Hadzic zu einigen Priestern als "Pauschalvorwürfe" zurückgewiesen. "Angaben ohne Namen und Beweise sind sinnlos. Die Kirche hat damit nichts zu tun", erklärte Wladika Irinej gegenüber Medien.

Der Sonderstaatsanwalt Vladimir Vukcevic hatte am Mittwoch erklärt, dass Hadzic während seiner Flucht nur mit einigen wenigen Personen Kontakt gehabt habe, darunter einige Priester. Konkreteres enthüllte Vukcevic nicht. In der serbischen Öffentlichkeit war in den vergangenen Jahren wiederholt spekuliert worden, dass sich Hadzic in einem der zahlreichen Klöster im Gebirge Fruska Gora versteckt. (APA/dpa)