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Die Liechtensteinische Justiz hat die von Michael Seidl (li.) gegründete Finanzgesellschaft Money Service Group ins Visier genommen. Niki Lauda legt das Kapperl dieses seines Sponsors ab.

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Wien - Immer enger wird es um die Liechtensteinische Finanzgruppe Money Service Group (MSG). Gestern, Donnerstag, rückte die Staatsanwaltschaft mit Polizei und Finanzmarktaufsicht am Firmensitz in Schaan an: Hausdurchsuchung. Seit Dienstag führt das Fürstliche Landgericht Vorerhebungen, es geht (u. a.) um den Verdacht des gewerbsmäßigen schweren Betrugs, ermittelt wird "gegen Verantwortliche der MSG, unter anderem gegen Michael Seidl", wie die Staatsanwaltschaft Liechtenstein bestätigt. Seidl hat das Unternehmen gegründet und bis vor kurzem geführt - nach seinem Rücktritt am 1. Juli sind er und seine iranische Frau in die Schweiz zurück übersiedelt und schwer zu erreichen.

Der Schaden soll einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen, ist aus gut infomierten Kreisen zu hören, das bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft allerdings nicht. Der STANDARD betont, dass die Unschuldsvermutung gilt.

Die MSG ist in Vermögensverwaltung (MSReturn), Vermögensberatung (MSConsult) und im Investmentfondsgeschäft tätig. Die zahlreichen zuarbeitenden Vertriebsgesellschaften haben für vier Fonds Geld eingesammelt, gelaufen ist das Fondsgeschäft über die MSInvest bzw. die deutsche MS Value AG. Die richtet sich mit ihrem "Family Office" an reiche Investoren, die mit 500 Mio. Euro und mehr zum Einsteigen bewegt wurden. Allerdings waren bei den vier Fonds der MS Value AG auch Kleinanleger gern gesehen, die schon ab 25 Euro im Monat dabei sein und für ihr Alter vorsorgen konnten.

Wiener Niederlassung

Die MS Consult, die sich auch mit Steueroptimierung beschäftigte, hat erst im April eine Niederlassung in Wien eröffnet - sie ist aber inzwischen und nach einer kurzen Untersuchung der hiesigen Aufsichtsbehörde FMA, wieder geschlossen. Bekannt ist die Gruppe, die im Sportsponsoring (besonders Formel I und im Wintersport) aktiv ist, trotzdem: Seit Anfang des Jahres trug Niki Lauda eine blaue MSG-Kappe.

Am Donnerstag hat Lauda den auf vier Jahre angelegten Sponsoring-Vertrag aber gelöst, wie er sagt. Über etwaige offene Ansprüche müsse man noch reden. Das hat auch Ex-Skirennläufer und Kitzbühel-Organisator Harti Weirather vor: Seiner Gesellschaft schuldet die MSG für ihr Hahnenkamm-Sponsoring "ein paar hunderttausend Euro", so Weirather.

Weirather wie Lauda haben übrigens auch eigenes Geld in Fonds rund um Seidl gesteckt; allerdings "nicht viel", wie sie sagen. Laut Lauda, der sich auf ein am Donnerstag mit Seidl geführtes Telefonat beruft, sei sein Geld in einem "sicheren" Fonds, der nichts mit den Turbulenzen zu tun habe. In Österreich haben vor allem Freiberufler in MSG-Fonds investiert, bis zu 300.000 Euro je Nase.

Dem Vernehmen nach ist der MSG - laut Werbung "auf Dienstleistungen rund um das Leben mit Vermögen" spezialisiert - das Geld knapp geworden. Die (notabene: nicht bestätigte) Vermutung: Geld soll im Kreis geschickt und dabei weniger geworden sein. (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 22.7.2011)