Bei immer mehr deutschen Zeitungen stehen die Zeichen auf Streik. Nachdem sich die Redakteure in Baden-Württemberg bereits am Mittwoch nahezu einstimmig für unbefristete Streiks ausgesprochen hatten, legten die Journalisten in Nordrhein-Westfalen am Freitag nach. Knapp 99 Prozent der Urabstimmungs-Teilnehmer in 25 Verlagen stimmten für Streiks, wie der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und Verdi am Freitag in Düsseldorf mitteilten. Die Beteiligung habe bei 75 Prozent der Berechtigten in den 25 Verlagen gelegen. Bevor es zum Arbeitskampf kommt, wollen die Gewerkschaften noch bis Sonntag die laufenden Warnstreiks fortsetzen.

Wann Verdi und DJV zu unbefristeten Streiks aufrufen, steht bis dato nicht fest. Beide Seiten bemühten sich, auf Bundesebene vorher einen Gesprächstermin zu finden, um einen Arbeitskampf noch abzuwenden. Am kommenden Mittwoch ist noch eine Urabstimmung über Streiks in Bayern geplant, weitere Bundesländer stünden zunächst nicht an, sagte Döhring. Für einen Streik auf Länderebene müssen beim DJV zwei Drittel, bei Verdi drei Viertel der Urabstimmungs-Teilnehmer zustimmen.

Seit Monaten verhandeln Gewerkschaften und Arbeitgeber über einen neuen Tarifvertrag. Hauptstreitpunkte sind neue Gehaltstarife für Berufsanfänger und die Kürzung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld, wie die Arbeitgeber sie fordern. Sie verweisen auf die schwierige finanzielle Lage der Blätter. Die Gewerkschaften lehnen Einbußen ab und wollen für die 14.000 Redakteure ein Einkommensplus von vier Prozent durchsetzen.

Auf einen Vorschlag des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), auf geringere Einstiegsgehälter zu verzichten, wenn Urlaubs- und Weihnachtsgeld von 1,75 Gehältern auf ein Monatsgehalt zusammengelegt werden, reagierten die Gewerkschafter zurückhaltend. Sie wollen darüber am Verhandlungstisch reden. "Wir hatten bislang den Eindruck, dass der BDZV bei seiner sehr harten Haltung bleibt", sagte Döhring. Aktuell wollten sich BDZV und der NRW-Verlegerverband zum Ergebnis der Urabstimmungen nicht äußern. Das sei interne Sache der Gewerkschaften, hieß es am Freitag. (APA)