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Streit ums Schwein - und ums Geld.

Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

Wien - Der angekündigte Verhandlungstermin zwischen Gesundheits- und Landwirtschaftsministerium über ein Fast-Totalverbot von Schweinekäfigen wurde von Freitag auf kommenden Dienstag verschoben. Scheitert er, so steht - wie berichtet - eine Klage der Volksanwaltschaft beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) gegen die nur schweinekörpergroßen Kastenstände bevor, in denen Muttersäue derzeit bis zu zwei Drittel ihres Lebens fristen.

In der betroffenen Bauernschaft scheint man dieses Szenario zumindest nicht auszuschließen: "Das VfGH-Verfahren würde Jahre dauern. Danach müsste unter Einbindung der Schweinehalter erneut über eine Regelung verhandelt werden", sagte Johann Nolz, Geschäftsführer des Verbands der niederösterreichischen Schweinezüchter. Auch im Büro von Gesundheitsminister Alois Stöger (SP) ist die Geduld enden wollend: Im Vergleich zu den Forderungen, die sich aus einer Missstandsfeststellung der Volksanwaltschaft über Kastenstände ergeben, sei der zur Diskussion stehende Verordnungsvorschlag ohnehin bereits ein Kompromiss, heißt es.

Stöger strikter als die EU

Konkret sollen Sauen laut dem Stöger-Vorschlag im Deckstall künftig nur noch jeweils bis zu zehn, im Abferkelstall nur drei Tage im Käfig stehen. Sonst ist Gruppenhaltung vorgesehen. Das setzt größere Ställe voraus. "Die meisten Schweinehalter haben die nötigen Umbauten bereits gemacht", sagte der Tierschützer Martin Balluch vom Verein gegen Tierfabriken (VGT). Eine 2013 in Kraft tretende EU-Richtlinie habe das erzwungen: "Es musste mehr Platz geschaffen werden, auch wenn die EU-Vorgaben weniger strikt als der Stöger-Vorschlag sind."

Knackpunkt sei somit der vom Gesundheitsministerium vorgeschlagene Ausbau der Abferkelställe, wo die Sauen kurz vor und nach dem Gebären leben: "Eine zusätzliche, nur einmalige Investition", meint Balluch. Das sieht Bauernvertreter Nolz anders: "Es wäre der Tod der heimischen Schweineproduktion, 50 Prozent aller Halter würden aufgeben." (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 23./24. Juli 2011)