Rom - 30.000 Menschen haben sich am Samstag in Genua an einer Demonstration im Andenken an den G-8-Gipfel in Genua vor genau zehn Jahren beteiligt, bei dem der 23-jährige Carlo Giuliani erschossen wurde. Globalisierungsgegner aus ganz Italien und Europa beteiligten sich an dem von Giulianis Eltern geführten Protestzug. Starke Sicherheitsvorkehrungen wurden aus Sorge vor gewaltsamen Ausschreitungen ergriffen. Mehrere Kaufleute hielten am Samstagnachmittag ihre Geschäfte in der Innenstadt gesperrt.

"Wahrheit und Gerechtigkeit für Genua", hieß es auf einem Spruchband, den die Demonstranten trugen. Globalisierungsgegner schwenkten Plakate mit dem Bild Giulianis, der zum Symbol des G-8-Gipfels von Genua geworden ist. Bis heute stehen die Ereignisse rund um das Politikertreffen in den Augen vieler Italiener als Symbol für organisierte Polizeigewalt.

"Ungeklärtes Kapitel"

"Der G-8-Gipfel in Genua ist in vielen Aspekten ein noch ungeklärtes Kapitel unserer jüngsten Geschichte. Man muss vor allem die politische Verantwortung dieser Gewalt klären", sagte Heide Giuliani, Mutter des erschossenen Globalisierungsgegners.

Die Demonstranten forderten auch Klarheit über die Hintergründe einer Razzia in der Schule "Diaz", in der Globalisierungskritiker übernachteten. Bei der Razzia waren Dutzende Menschen von Sondereinheiten der Polizei verprügelt und zum Teil schwer verletzt worden. Viele von ihnen wurden vorübergehend festgenommen. Die Razzia hatte in der Nacht auf 22. Juli 2001 stattgefunden, wenige Stunden nachdem GIuliani von einer Polizeikugel tödlich getroffen worden war. Wegen der Gewaltexzesse am Rande des G-8-Gipfels war Italiens Polizei scharf kritisiert worden. (APA)