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ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und ORF-Finanzdirektor Richard Grasl.

Foto: APA/Neubauer

Wien - In den Wochen vor der Generalswahl sind ORF-Chef Alexander Wrabetz und sein eifriges Wahlkampfteam auf schöne Worte bedacht. Das äußert sich einerseits in bisher unbekannter Dichte von Anrufen, E-Mails, SMS und anderen Kontakten von ORF-Öffentlichkeitsarbeitern bei Medienjournalisten, wie man dieses oder jenes doch nicht sehen könne. Andererseits in gefällig gedrechselten Worten des Generals.

"Klar ist aber, dass es keine Gebührenerhöhung geben wird, sondern höchstens eine teilweise Valorisierung", erklärte Alexander Wrabetz gerade dem "Kurier". Bis zum Jahresende, also nach der ORF-Wahl am 9. August, will Wrabetz eine mittelfristige Finanzplanung vorlegen, in der er auch auf die künftige Höhe der Rundfunkgebühr eingeht. Laut ORF-Gesetz muss er fünf Jahre nach dem letzten Antrag auf Gebührenerhöhung den nächsten stellen. Den letzten legte Wrabetz Ende 2007 vor, er brachte ihn Anfang 2008 dann doch im Stiftungsrat durch. Im Juni 2008 erhöhte der ORF die Gebühren um 9,4 Prozent. Auch das war eine Inflationsanpassung.

Mit Prognosen über bis zu 60 Millionen Minus (2014) stimmt ORF-Finanzdirektor Richard Grasl schon auf eine Erhöhung ein.

Spielraum

Die jüngste Wifo-Konjunkturprognose lässt dem ORF von 2008 bis 2012 einigen Spielraum für "teilweise Valorisierung": Sie könnte sich nach dieser Prognose bis 11,4 Prozent bewegen. Zehn Prozent bedeuten pro Haushalt rund 24 Euro mehr, mit regionalen Unterschieden je Landesabgaben. Zum Nationalratswahljahr 2013 hin ist das freilich eine schwierige Maßnahme im politisch besetzten ORF-Stiftungsrat.

Rote ORF-Strategen denken schon ans nächste Regierungsprogramm. Dort könnte man eine TV-Abgabe für jeden Haushalt platzieren, unabhängig vom Empfang, wie etwa in Deutschland ab 2013. ORF-General Wrabetz schließt eine solche Abgabe nur für "ein, zwei Jahre" aus. Die ORF-Gebührentochter Gis hat sich zwar die geringste Schwarzseherquote Europas erarbeitet. Aber wenn diese 2,5 Prozent der Haushalte auch zahlen müssten, könnte der ORF noch entspannter kalkulieren.

Gis: Smart nach Datenklau

Schon diesen Herbst, auch nach der ORF-Wahl, soll die Gis nach den Plänen Grasls den (kostenpflichtigen) Tausch von Millionen Satelliten-Smartcards abwickeln. Dass Hacker der Gis gerade einen Teil der Gis-Kundendaten stehlen konnten, störe diese Pläne nicht, hieß es im ORF. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 25.7.2011)