Die Schweizer Polizei sucht im Zusammenhang mit den Betrugs- und Korruptionsvorwürfen gegen den schwedischen Telekommunikations- und Elektronikkonzern Ericsson nach 30 Schweizer Tarnfirmen. Das berichten Schweizer Medien am Freitag. Die Zürcher Justiz ermittelt unter anderem wegen Bestechung. Bei Durchsuchungen in Zürich und Schaffhausen stellte die Polizei Beweismaterial sicher.

Verdacht

Ericsson wird verdächtigt, in den Jahren 1998 und 1999 verdeckte Zahlungen in Höhe von 3,3 Milliarden Schwedischen Kronen (361 Millionen Euro) vorgenommen zu haben. Dafür sollen über falsche Rechnungen Geldbeträge an Firmen und Personen für Beratungsdienstleistungen überwiesen worden sein. Dies bestätigte die auf Geldwäschereidelikte und Rechtshilfe spezialisierte Bezirksanwaltschaft IV des Kantons Zürich.

Überweisung

Das finanziell angeschlagene Unternehmen soll mit falschen Rechnungen und über Konten bei der Schweizer Großbank UBS Geld an Firmen und Personen für Beratungsdienste überwiesen haben. Ausgehend von einem Rechtshilfeersuchen der schwedischen Zentralbehörde für Wirtschaftskriminalität werde nun geklärt, ob die Firma die gesetzliche Buchführungspflicht verletzt hat. Weiter untersucht die Bezirksanwaltschaft, ob durch diese Geldströme Geldwäscherei, Urkundenfälschung, Betrug und Bestechung begangen worden sind.

Auslöser

Ausgelöst wurden die Untersuchungen von der UBS. Mitarbeiter waren verdächtige Kontenbewegungen aufgefallen. Daraufhin habe die Bank - gestützt auf das Geldwäschereigesetz - die Unregelmäßigkeiten der Bezirksanwaltschaft gemeldet, sagte UBS-Sprecher Rudolf Bürgin. Im Vorfeld der Durchsuchungen legte die Bank Unterlagen zu den Konten den Untersuchungsbehörden offen.

Aufgedeckt

Der in Zürich erscheinende "Tages-Anzeiger" berichtet, Ericsson soll hinter den Tarnfirmen als wirtschaftlich berechtigtes Unternehmen gestanden haben. 545 Millionen Franken (heute 360 Millionen Euro) seien Ende der 90-er Jahre von Ericsson auf die Firmen- und privaten Konten eingezahlt worden. Durch diese fiktiven Rechnungen habe das Unternehmen einen niedrigeren Gewinn ausweisen und entsprechend weniger Steuern zahlen müssen. (APA)