Washington/Peking/Paris - US-Präsident George W. Bush hat Nordkorea am heutigen Freitag vor einer Fortsetzung seines Atomwaffenprogramms gewarnt. Er hoffe auf eine diplomatische Lösung, doch wenn die Lage eskaliere, dann müsse das kommunistische Land mit "härteren Maßnahmen" der internationalen Gemeinschaft rechnen, sagte Bush bei einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi auf seiner Ranch im texanischen Crawford. Gleichzeitig stellte Bush eine Teilnahme von Südkorea und Japan an den trilateralen Vermittlungsgesprächen zwischen den USA, China und Nordkorea in Aussicht.

"Wir geben Erpressung nicht nach", umriss Bush die Position von Tokio und Washington. Nordkorea müsse sein Atomprogramm "sofort und vollständig abbauen". Auch die Staaten der G-8-Gruppe richteten eine Warnung an Nordkorea. Pjöngjang solle von "jeglichen Handlungen Abstand nehmen, welche die Lage verschlimmern würden", erklärten die acht Länder am Freitag nach einem Außenminister-Treffen in Paris. Das Land solle seine Verpflichtungen einhalten und "vollständig, rasch, nachvollziehbar und unwiderruflich" abrüsten.

Schweizer Außenministerin: Pjöngjang wartet auf Antwort der USA

Die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey hatte zuvor nach Gesprächen in Pjöngjang gesagt, im Streit um das Atomprogramm warte Nordkorea auf eine Antwort Washingtons zu seinen Lösungsvorschlägen. "Der Ball ist im Feld der Amerikaner", zitierte sie am Freitag die Kernaussage der nordkoreanischen Führung. Zugleich stellte die Ministerin fest: "Sie haben große Angst vor einer militärischen Aggression der USA." Bekanntlich hatte US-Präsident Bush Nordkorea in seiner denkwürdigen Rede zur Lage der Nation im Jänner 2002 gemeinsam mit dem Irak und dme Iran auf eine imaginäre "Achse des Bösen" platziert.

Nach ihren Gesprächen in Nord- und Südkorea sowie mit der chinesischen Führung stellte Calmy-Rey eine größere Rolle der Schweiz in den diplomatischen Bemühungen um eine Lösung des Atomstreits in Aussicht. Die Außenministerin hatte in Peking Ministerpräsident Wen Jiabao, Außenminister Li Zhaoxing und den für Außenpolitik zuständigen Staatsrat Tang Jiaxuan über ihre Gespräche unterrichtet. In Seoul hatte sie zuvor die amerikanische Seite informiert.

Die Schweiz war im Jahr 1995 das erste Land, das mit humanitärer Hilfe auf die Hungersnot in Nordkorea reagierte. In den 90er Jahren war Genf Verhandlungsort für Friedensgespräche zwischen den beiden Teilen Koreas, China und den USA. Die Schweiz ist Mitglied der Überwachungskommission Neutraler Staaten (NNSC), die die Einhaltung des Waffenstillstandsabkommens von 1953 überwacht, das den Korea-Krieg beendet hatte.

Die Berner Außenministerin äußerte die Hoffnung, dass die Mitte April in Peking aufgenommenen Gespräche zwischen den USA, Nordkorea und China fortgesetzt werden. Am Rande dieser Dreier-Gespräche hatte Nordkorea nach US-Angaben zugegeben, bereits über Atomwaffen zu verfügen. Für eine Lösung im Atomstreit hatte Nordkorea eine Sicherheitsgarantie, wirtschaftliche Unterstützung und die Normalisierung der Beziehungen gefordert.

Wirtschaftsabkommen unterzeichnet

Nord- und Südkorea einigten sich unterdessen auf ein Wirtschaftsabkommen, nachdem Pjöngjang der südkoreanischen Forderung nach einer Entschuldigung wegen der Androhung einer atomaren Verwüstung des Südens verklausuliert nachgekommen war. Danach wird Seoul unter anderem dem Norden 400.000 Tonnen Reis liefern und einen großen Unternehmenskomplex bei Pjöngjang bauen. Außerdem soll der wegen der Lungenseuche SARS unterbrochene innerkoreanische Tourismus wieder aufgenommen werden.

Die Krise um das nordkoreanische Atomprogramm schwelt seit acht Monaten. Im Oktober warf Washington der Führung in Pjöngjang vor, Atomwaffen zu bauen und stellte daraufhin seine Ölliferungen an das Land ein. Im Jänner hatte Nordkorea im Gegenzug den Atomwaffensperrvertrag aufgekündigt. (APA/dpa)