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Foto: Archiv
Erster Tag

Der erste offizielle Besuch (nach einem stärkenden Espresso oder einem Glaserl Wein in einer der unzähligen Bars) gebührt wohl dem ältesten Bozner, dem Urahn Ötzi. Er hat sein eigenes Museum, das Archäologische Museum. Auf vier Stockwerken zeigt Südtirol stolz seine Geschichte von den ersten Anfängen bis ins frühe Mittelalter. Ötzi und seiner restaurierten Ausrüstung gehört der erste Stock.

Ein paar Schritte weiter die Museumstraße entlang kommen wir zur Talferbrücke und den Uferpromenaden. Direkt hinter der Brücke steht der Stachel im Fleisch Südtirols, das Siegesdenkmal. 1926 bis 1928 von der faschistischen Regierung erbaut, trägt es die stolz eine Inschrift, die besagt, dass Rom bis hierher Kultur und feine Lebensweise brachte. Aber wenn man sich umdreht und die Silhouette der Bozner Altstadt vor dem Rosengarten betrachtet, wird auch diese Wunde zur Marginalie.

Weiter geht es die Freiheitsstraße entlang und durch den ehemals eigenständigen Luftkurort Gries, erreicht man eine weitere Bozner Perle, nämlich die alte Grieser Pfarrkirche. Dort steht einer der Höhepunkte gotischer Schnitzkunst, der Marienkrönungs-Altar von Michael Pacher. Auch das "Hepperger Kreuz", ein romanisches Kruzifix, das wahrscheinlich aus dem nordfranzösischen Raum stammt, verdient Beachtung. Nach einer kurzen Erholungspause in der Kirche empfiehlt sich der Bummel zurück in die Bozner Altstadt. Und eine wohl verdiente Mittagspause. Und dann beginnt das Vergnügen.

Ein Bummel über den Obstmarkt zeigt den gesamten Reichtum der Region. Sarner Bauern mit dem blauen Schurz und dem Hut (an der Farbe der Hutbänder ist abzulesen, ob der Mann verheiratet oder ledig ist), der auch im Lokal nicht abgenommen wird, elegante Boznerinnen, Frauen aus der Umgebung in der Tracht, gustieren und wählen mit Kennerblick. Dann geht es weiter in die Laubengasse mit den schattenspendenden Arkadengängen und der verlockenden Auswahl an Geschäften.

Hoffentlich ist die Brieftasche prall gefüllt, denn diesen Verlockungen ist wohl schwer zu widerstehen. Unbedingt zu besuchen sind das Süßwarengeschäft Calligari-Fulterer, die Marien- und die Adler-Apotheke - sie wurden wohl seit mehr als hundert Jahren nicht verändert und strahlen die Eleganz des 19. Jahrhunderts aus. Alte Tiroler Namen wie Oberrauch-Zitt, Eccel (italienisch ausgesprochen!), Thaler oder Schönhuber-Franchi präsentieren sich stolz auf den Geschäftsportalen. Vom letzten Schrei aus Mailand bis zum rosaroten Unterrock-Barchent, vom Juwelier bis zum Elektrogeschäft findet sich alles in dieser Gasse und den angrenzenden Gässchen und Durchgängen. Aber auch die Häuser selbst mir ihren Erkern, Stuck-und Fresken-Verzierungen sind mehr als einen Blick wert.

Gut, dass die Altstadt autofrei ist! Durch die Waaggasse gelangt man zum Waltherplatz mit dem Vogelweider-Denkmal und dahinter ragt der Spitzenturm der Dompfarrkirche in den Himmel. Löwenportal, Kanzel, Maßwerk, Kirchenväter-Reliefs, Fresken decken wohl endgültig den Kultur-Bedarf. Auf Unersättliche warten auch noch das Dominikaner- und das Franziskanerkloster zur Besichtigung. Gleich ums Eck vom Waltherplatz, in der Raingasse bietet sich das altehrwürdige, erst im vergangenen Jahr gelungen renovierte Hotel Greif für die nun wohlverdiente Nachtruhe an.


Zweiter Tag

Dieser Tag gehört der Umgebung. Naturfreaks können sich im Morgengrauen auf die schöne Seiser Alm bringen lassen und eine der Klettertouren im Schlern-Massiv gehen. Wer es gemütlicher angehen will, sollte die Seiser Alm einfach erwandern, eventuell im Hotel Heubad in Völs ein opulentes Mahl einnehmen und anschließend im Heubad seine Wehwehchen kurieren. Es bietet sich aber auch ein Ausflug nach Sankt Magdalena an, einer der Wiegen des Weins, oder auf den Ritten, die alte Bozner Sommerfrische.

Den Kulturliebhabern ist ein Ausflug ins romantische Vinschgau zu empfehlen. Wie auf einer Perlenschnur aufgefädelt liegen Hocheppan (auf den romanischen Wandmalereien der Burgkapelle Hocheppan hat sich in die Geburt Christi wohl die älteste Darstellung einer Knödelesserin eingeschlichen) Meran, Schloss Tirol, Naturns mit den romanischen Fresken in der kleinen Kirche St. Prokulus (da gibt's den "Schaukler" zu sehen - der Maler hatte keine Scheu, seine Probleme mit der Perspektive zu verewigen), die Churburg mit ihrem einmaligen Loggienhof, Mals, die Benediktinerabtei Marienberg und das winzige Städtchen Glurns, das 1499 nach den Plänen des kaiserlichen Hofbaumeisters Jörg Kölderer als Festungsstadt gebaut wurde.

Seit damals hat sich fast nichts geändert. Der einmalige Reiz liegt im Gegensatz der bürgerlichen Architektur und den bäuerlichen Bewohnern. Kuhherden unter Lauben, Hühner und Katzen in den Schießscharten sind ganz normale Anblicke.
Sind Sie neugierig geworden? Bozen und seine Umgebung vermag nicht nur 48 Stunden lang zu fesseln, manch eine(r) ist ein Leben lang hängen geblieben.

Ganz persönlich

Alleine der Name fließt schon weich über die Lippen. So wie die Rebsorten der Gegend, Vernatsch, Lagrein, Traminer - der alte Kustos des Weinmuseums in Kaltern beschrieb sie so: "Die schliafn wie die barfuaßet'n Muinelen (kleine, bloßfüßige Kätzchen)." Das ist Zärtlichkeit, oder? Nehmen Sie sich Zeit für diese Stadt, lassen Sie sich treiben von der behäbigen Geschäftigkeit und träumen Sie von den acht Seligkeiten, wie sie Friedrich Haider im vorletzten Jahrhundert beschrieben hat: 1. Unter den Lauben ein Haus besitzen, 2. dazu ein Höfl in Gries und 3. ein Sommerfrischhaus am Ritten. Weiters noch 4. einen eigenen Kirchenstuhl, 5. eine Loge im Stadttheater, 6. ein Familiengrab unter den Arkaden und 7. nur zweimal im Jahr Waschtag, weil man reichlich hat in Truh' und Schrank. Die 8. ist verheiratet sein mit einer Boznerin. (DER STANDARD, Printausgabe)