Graz/Wien - "Hallo Karl, ich bin wieder zurück. Treffen wir uns im Stammbeisl?" "Oje, geht sich diesmal leider nicht aus. Vielleicht das nächste Mal, wenn du wieder in Österreich bist." Mit Absagen dieser Art aus dem Freundeskreis müssen China-Heimkehrer - so erzählt es ein Betroffener eines heimischen Exportbetriebes - in diesen Tagen rechnen. Man ist vorsichtig, auch wenn's der Freund ist.

"Ernst nehmen"

"Auch wir müssen das Problem Sars sehr sehr ernst nehmen", sagt AT&S-Sprecher Reinhold Oblak. Nicht nur dieser sozialen Komponente wegen. Der steirische Leiterplattenhersteller AT&S ist in Schanghai mit einer 130-Millionen-Euro-Produktionsstätte präsent. Die notwendige Kommunikation mit der Niederlassung in China wurde großteils auf Videokonferenzen umgeleitet. Heimkehrende Techniker müssen - so die firmeninterne Order - einige Tage zu Hause bleiben.

Den Flugverkehr hat auch die Siemens SGP Verkehrstechnik, die für Schanghai U-Bahn-Garnituren liefert, minimiert. "Aber es ist unvermeidlich, wir müssen hin", sagt Siemens SGP-Geschäftsführer Friedrich Pressl. Auch er persönlich. Die Koordination der Montagearbeiten oder Vertragsunterzeichnungen lassen sich eben nicht über Internetkonferenzen abwickeln. Wie bei AT&S ist auch bei Siemens SGP strikt vorgeschrieben, dass China-Heimkehrende einige Tage, hier exakt zehn Tage, der Firma fern bleiben. Pressl: "Wir versuchen uns natürlich vor Ort so gut es geht zu schützen.

Mundschutz

Wir gehen in China nicht unter Menschenmengen und tragen Mundschutz. Ein Restrisiko bleibt natürlich." Dieses einzugehen sei nötig, immerhin stellt der chinesische Markt eine Zukunftsschiene der Siemens SGP dar.

Runtergeschraubt hat auch die Bühnentechnik AG von Waagner-Biró, die Waagner-Biró Austria Stage Systems AG, ihre persönlichen Kontakte nach China. Waagner-Biró ist hier mit dem Projekt Shanghai Oriental Arts Center, einem Opern- und Theaterkomplex engagiert. Der derzeitige Kontakt wurde bis auf weiteres ebenfalls auf die neue Telekommunikationstechnologie beschränkt.

Strikte Regeln

Gänzlich in die virtuelle Kommunikation hat sich ebenfalls der Grazer Motorenspezialist AVL-List, der in Schanghai ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum errichtet, zurückgezogen. Der "Tourismus" zwischen China und Österreich liegt brach, alle Meetings wurden nach vorne geschoben, sagt AVL-Sprecher Michael Ksela. Vor Ort hat AVL strikte Regeln erlassen. Die Mitarbeiter dürfen etwa keine öffentlichen Verkehrsmittel benützen. Die Belegschaft wird von firmeneigenen Bussen zu Hause abgeholt.

Die wirtschaftlichen Schäden der befragten Firmen halten sich noch in Grenzen. Europaweit rechnen Unternehmen, die in China investiert sind, allerdings bereits mit Umsatzrückgängen von zehn bis 40 Prozent. AT&S-Sprecher Oblak zweckoptimistisch: "Wir glauben dennoch, dass der Höhepunkt schon erreicht ist."

Die 80 österreichischen Unternehmen investierten in China bisher rund 400 Mio. Euro. (Walter Müller, DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.5.2003)