Wien  - Europas größte Suchtklinik, das Wiener Anton Proksch Institut, steckt offenbar in finanziellen Schwierigkeiten. Wie die Tageszeitung "Die Presse" in ihrer Freitagsausgabe berichtet, hat das Institut jetzt einen Kredit über zehn Millionen Euro aufgenommen, vor allem um Abfertigungen an Mitarbeiter zu zahlen. Laut Geschäftsführung waren es Gehälter, welche die Klinik finanziell in die Bredouille gebracht haben. Angestellte des Instituts sprechen dem Bericht zufolge hingegen von Managementfehlern.

Gehälter stiegen, Zuschüsse nicht

Laut "Presse" befindet sich das Institut seit nunmehr fünf Jahren in einem Reorganisationsprozess, der mehrere Aspekte betrifft. Der größte Teil der Reorganisation betreffe die rund 250 Mitarbeiter, berichtet die Zeitung. Sie seien im Laufe des vergangenen Jahres von der bis dahin gültigen Dienstverordnung ausgegliedert und in einen neuen Kollektivvertrag (Berufsvereinigung von Arbeitgebern für Gesundheits- und Sozialberufe, kurz BAGS) aufgenommen. Laut Michael Musalek, dem ärztlichen Direktor des Instituts, waren in der alten Dienstverordnung die Biennalsprünge - Gehaltserhöhungen alle zwei Jahre - vergleichsweise hoch. Während also die Gehälter stetig erhöht wurden, habe man von der Krankenversicherung - der "Haupteinnahmequelle" des Instituts - nicht mehr Geld bekommen.

Laut Gabriele Gottwald-Nathanie, Verwaltungsdirektorin des Instituts, machen die Personalkosten rund 83 Prozent der Gesamtkosten aus, berichtete die "Presse" weiter. Insgesamt hätten die Mitarbeiter nach der Umstellung eine durchschnittlich fünfprozentige Gehaltskürzung erlitten. Man habe den Betroffenen Abfertigungen bezahlt, sogar mehr als gesetzlich vorgeschrieben sei.

Mitarbeiter üben Kritik

Die Mitarbeiter hingegen berichteten laut "Presse" von Kürzungen zwischen elf und 12 Prozent. Im Laufe des Jahres 2010, als die Belegschaft über die finanzielle Lage informiert worden sei, sei man "vor vollendete Tatsachen gestellt worden", sagte ein Mitarbeiter. Bereits in den Jahren davor habe sich ein Engpass angekündigt, die Bilanz 2009 sei dann "katastrophal" ausgefallen. Es wurden Managementfehler geortet, wie zum Beispiel ein mit hohem Aufwand geplantes, aber nie realisiertes Kurzzeit-Therapiezentrum für Drogenkranke.

Dazu Musalek in der "Presse": "Das war für uns nicht finanzierbar, es wäre nur mit Hilfe der Gemeinde Wien und dem Land Niederösterreich gegangen." Musalek und Gottwald-Nathaniel gaben sich dem Bericht zufolge optimistisch: Die Bilanz im Jahr 2012 sei "nicht wahrscheinlich, sondern sicher ausgeglichen", wurde die Verwaltungsdirektorin zitiert. (APA)