Wow! Das ist moderne Ikonografie: fotogen par excellence! Gemeinsam bilden sie mit ihrer kontinuierlichen On-off-Beziehung den personifizierten Inbegriff eines idealen Paares im hedonistischen Showbusiness. Seit Jahrzehnten symbolisiert diese ideale Synthese von Rockstar und Topmodel den Nimbus von Freiheit, Emotionalität, Sex, Exzess und wildem, ungezügeltem Leben. Zeitgleich erschienen nun zwei fotografische Dokumentationen über das Jet-Set-Paar schlechthin: Jerry Hall und Mick Jagger.

Phänomenal illustriert Das Fotobuch sowohl die persönlichen Metamorphosen des Mick Jagger als auch der Mode und des Zeitgeistes. Seine unvergleichliche Physiognomie, seine intensive Physis und sein Charisma erhöhen ihn zum Archetyp des Rockstars. Fotos aus fünf Jahrzehnten illustrieren auch die Veränderungen der Porträtfotografie. Cecil Beaton porträtierte ihn als jungen Sexgott, Terry O'Neill androgyn, Anton Corbijn leicht schizophren, Annie Leibovitz verletzlich. Die Set-List der Fotografen liest sich wie ein Who's who der Szene: Sante d'Orazio, Watson, Lagerfeld, Lindbergh, Ritts, Cummins sowie Andy Warhol, der auch Jerry Hall ikonografisch am Cover des Interviews präsentierte.

Diese wiederum rekapituliert in Mein Leben ihre Vita. Obwohl auch ihre Biografie keine klassische Familienaufstellung bietet, reflektiert sie, verbal das fotografische Kompendium akkordierend, durchaus wortgewandt ihre Beziehungen zu Bryan Ferry, Jagger und Family, den Switch von ihrer Kindheit in Texas zum familiären Refugium in Mustique oder den Catwalks und Red Carpets in Paris, NY or somewhere else sowie ihre Kollaborationen mit Fotografen wie Richard Avedon, Bailey, George Hurell, Horst P. Horst, Gunter Sachs, Helmut Newton oder ihr Dasein als Muse von Couturiers wie Mugler, Yves Saint-Laurent oder Lagerfeld.

Wer weiß, vielleicht nutzen die beiden ihre Promotiontouren dazu, "to spend a night together"; who the f... cares? - That's Entertainment! (Gregor Auenhammer, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 30./31. Juli 2011)